Die Kinder haben die Veilchen gepflückt, All, all, die da blühten am Mühlengraben. Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest In ihren kleinen Fäusten haben. Ein paar einfache Verse nur, und doch hat der Dichter Theodor Storm damit den prallen Frühling eingefangen. Quirlige Kinder, die es hinausdrängt, an den verlockend gurgelnden Mühlengraben. Endlich Sonne, und die Veilchen blühen schon. Entzücken und überschießende Energie. Sie pflücken alle ab, bündeln sie zu duftenden Sträußchen und halten sie fest, ganz fest in ihren Händen – der Frühling [...]
Ausgabe März / April 2026 | Natur & Umwelt
Die Gärtnerfamilie Hagn hatte vor drei Jahren im Würzburger Hofgarten eine sonnige Idee: Was den Fürstbischöfen gelang, müssten wir doch auch können. Und so kam‘s. Seit zwei Jahren kultivieren sie in Segnitz (Lkr. Kitzingen) unter dem Label „Florentinas Garten“ als einziger Betrieb in Deutschland Zitrusfrüchte unter Glas in Biolandqualität. Die Früchte von 30 verschiedenen Sorten – von Mandarine bis Tigerzitrone – begeistern Konsumenten und Spitzenköche gleichermaßen.
Imposante Köstlichkeit: Die Cedro ist die Königin der Zitronen und fühlt sich auch in Segnitz wohl. Die erste Begegnung war eher flüchtig. Ein Gemüsestand auf Würzburgs Grünem Markt präsentierte im Oktober verlockende Orangen und Zitronen und überraschte mit der Kennzeichnung: Bio aus Unterfranken. Eine bislang unbekannte Herkunft, die erst mal wieder in Vergessenheit sank. Zwei Monate später dann die Reaktivierung auf dem Sommerhäuser Weihnachtsmarkt. Florentinas Zitrusmobil präsentierte mitten im Winter den fruchtgewordenen Süden: Zitronen, Mandarinen, Blutorangen, pinkfleischige Cara Cara – und ein feines Sortiment an [...]
Ausgabe Januar / Februar 2026 | Natur & Umwelt
Der Wachtelkönig ist eine der seltenen und seltsamsten Rhöner Tierarten. Tagsüber verhält sich der Vogel still und nutzt die Deckung der Wiesenvegetation. In den Frühsommernächten aber lassen es die liebestollen Männchen so richtig krachen.
Der Wachtelkönig beim knarren. Gegenwärtig ist er gerade in Afrika. Den Wachtelkönig umgibt die Aura des Außergewöhnlichen. Davon zeugt schon sein Name. Früher machte man bei der Wachteljagd die Beobachtung, daß in den auffliegenden Schwärmen bisweilen ein größeres Exemplar dabei war. Das muß ihr Anführer sein, der König der Wachteln, so die Folgerung. Ein Trugschluß. Der Wachtelkönig ist kein Verwandter der Hühnervögel, auch wenn die Ähnlichkeit groß ist, sondern zählt zu den Rallen. Wer ihn gerne mal zu Gesicht bekommen würde, hat schlechte Karten. Der [...]
Ausgabe November / Dezember 2025 | Natur & Umwelt
Im Landkeis Forchheim, am Eingang zur Fränkischen Schweiz, prägen sogenannte „Wässerwiesen“ weite Teile der Landschaft: Das ausgeklügelte Bewässerungssystem, das zur UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes zählt, hat hier jahrhundertealte Tradition. In Zeiten fortschreitenden Klimawandels ist diese alte Kulturtechnik zeitgemäßer denn je.
Wässerkulisse „Hofäcker“ bei Gosberg. Im Hintergrund das „Walberla“. Highnoon“ bei den Störchen. Gut fünfzig dieser großen Vögel stehen geradezu in Reih und Glied nebeneinander, staksen mit ihren langen Beinen mal da, mal dort hin und genießen dabei einen reich gedeckten Tisch. Ein bißchen wirkt das wie in einem dieser japanischen „Running Sushi“-Restaurants, bei denen die Speisen auf einem rundlaufenden Fließband angeboten werden. Nur hier schwappen zahllose Mäuse, Frösche, Fische und andere Leckerbissen direkt vor Adebars großen Schnabel. Da heißt es einfach, nur blitzschnell zugreifen. Für [...]
Ausgabe September / Oktober 2025 | Natur & Umwelt
Zweimal im Leben überqueren europäische Aale den Atlantik. Was sie antreibt, wie sie sich dabei orientieren, was in den Tiefen des Meeres vor sich geht, das alles sind noch immer ungelöste Rätsel der Biologie. Sicher ist allerdings, dass der Fisch mit dem schlangenförmigen Körper ohne das Zutun der Menschen in unseren Gewässern nicht mehr vorkäme. Michael Kolahsa erklärt warum.
An Bord eines Aalschokkers erklärt Fischereifachberater Michael Kolahsa die Funktion dieser speziellen Schiffe. Die Romantik ist auch nimmer das, was sie einmal war. Wasser gurgelt aus den Turbinen an der Staustufe Harrbach (Landkreis Main-Spessart). Ockergelbe Schaumkrönchen tanzen auf den Wellen. Der Fluss zieht ruhig und ungerührt vorbei. Soviel Wasser sollte ein Dorado für Fische sein – könnte man meinen. „Mitnichten!“, weiß Michael Kolahsa, der Fischerei-Fachberater des Bezirk Unterfranken. Die insgesamt 34 Staustufen des Mains wären nämlich eine tödliche Falle für Aale, würde der Mensch nicht [...]
Ausgabe September / Oktober 2025 | Natur & Umwelt
Streuobstwiesen sind wertvolle Lebensräume und vom Aussterben bedroht. Über ein unverzichtbares Element der fränkischen Kulturlandschaft, seine Raritäten und Retter.
Blühende Blickachse inszeniert Barockkirche – im Apfeldorf Hausen, Lkr. Rhön-Grabfeld, kommt Streuobst auch als Allee daher. Rhöner Streuobstkoryphäe: Adam Zehntgraf vom Arbeitskreis Streuobst Hausen. Winterhausens Mainufer wäre nur halb so schön ohne seine Streuobstwiesen. Sie erstrecken sich zu beiden Seiten einer malerischen Bucht im Landkreis Würzburg und sind wunderbare Wohlfühlorte. Im Frühling verführen Abertausende Blüten, Vogelgesang und ein betörender Duft, unter den alten Apfel-, Birn- und Zwetschgenbäumen zu wandeln. Einen heißen Sommernachmittag inmitten bunter Wildblumen im Schatten eines Obstbaums verdösen – paradiesisch. Auch im Herbst [...]
Ausgabe September / Oktober 2025 | Natur & Umwelt
Kaum ein Insekt kann die Farbe Rot sehen. Doch zwei Käferarten aus dem Mittelmeergebiet machen eine Ausnahme, wie ein internationales Forschungsteam mit Würzburger Beteiligung jetzt herausgefunden hat.
Ein Käfer der Art Pygopleurus chrysonotus auf einer Blüte der Pfauenanemone (Anemone pavonina) in Griechenland. Der Käfer kann, was andere Insekten nicht können: die Farbe Rot sehen. Foto: Johannes Spaethe / Universität Würzburg Die Augen der Insekten sind in der Regel empfindlich für ultraviolettes, blaues und grünes Licht. Die Farbe Rot können sie – mit Ausnahme einiger Schmetterlinge – nicht sehen. Trotzdem fliegen Biene & Co. auch auf rote Blüten wie die des Klatschmohns. Angelockt werden sie in diesem Fall aber nicht von der roten [...]
Ausgabe Juli / August 2025 | Natur & Umwelt
Damit Honigbienen erfolgreich überwintern, müssen einige Faktoren zusammenspielen. Ein Forschungsteam der Universität Würzburg hat einen entscheidenden identifiziert: Je vielfältiger die Nahrung, desto größer die Überlebenschancen.
Honigbienen an einem Bienenstock. Foto: Pedro Alonso Alonso In gemäßigten Klimazonen stellt der Winter für Honigbienen eine große Herausforderung dar. Um ihr Überleben zu sichern, müssen die Tiere die passende Temperatur im Bienenstock aufrechterhalten und die nächste Generation Arbeiterinnen heranziehen. Von entscheidender Bedeutung ist außerdem die Verfügbarkeit von Blütenpollen als Nahrung. Dabei kommt es nicht nur auf die reine Menge an. Wie ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) festgestellt hat, spielt auch die Vielfalt der verfügbaren Pflanzen eine wichtige Rolle. Ausgewogene Ernährung sorgt für resiliente [...]
Ausgabe Juli / August 2025 | Natur & Umwelt
Im oberfränkischen Wallenfels fällt der Startschuss für das regionale Partnerprojekt „Zukunft Holz-Transformation einer Holzregion“. Geforscht wird nach innovativen Konzepten, um aus dem vom Klimawandel gebeutelten Frankenwald einen gesunden und resistenten Nutzwald zu machen.
Ein trauriges Bild, das betroffen macht: Am Rennsteig befindet sich mit nahezu 500 Hektar die größte Einzelschadensfläche in Bayern. Foto: Markus Wich Es ist ein Moment, der das Zeug hat, in die Geschichtsbücher des Landkreises Kronach einzugehen. Der Ort hätte dafür nicht besser gewählt werden können. In Wallenfels leben die Menschen seit Jahrhunderten von und mit dem Wald. Die Flößer-Gemeinde steht sinnbildlich für die Blüte, aber auch die Nöte des Wirtschaftssektors. In der bis auf den letzten Platz besetzten Schärfkammer des Sägewerks Müller-Gei hat sich [...]
Ausgabe Mai / Juni 2025 | Natur & Umwelt
Die Gemeine Schafgarbe ist eine wichtige Pflanze in der Frauenheilkunde und kann auch sonst mit einem breiten Anwendungsspektrum punkten. Jahrhundertelang wurde sie etwa als blutstillendes Wundheilmittel hochgeschätzt.
Abb.: Gemeine Schafgarbe, Achillea millefolium / Vitus Auslasser 1479 Die antiken Griechen pflegten eine innige Beziehung zur Natur und hielten deren Erscheinungen für beseelt – oder gar von Göttern beherrscht, man denke da nur an das Meer und Poseidon. Auch Pflanzen mit besonderen Eigenschaften gelangten zu göttlichen Ehren wie die betörend duftende Hyazinthe – der zur Blume gewordene Sohn der Muse Klio. Die eher unscheinbare Gemeine Schafgarbe verdankt ihren mythischen Status ihrer Heilkraft – und dem mythischen Status ihren botanischen Namen: Achillea millefolium, benannt nach [...]