Kategorie: Essay

Ausgabe Mai / Juni 2022 | Essay

Utopienplage im Ohrensessel

Teil 2 – Vor gar nicht so langer Zeit haben viele, durchaus schon besorgte Soziologen (offensichtlich etwas leichtfertig) wie vor ihnen Philosophen und Literaten über eine bessere Welt nachgedacht. Mit guten Gründen sind einige unter ihnen bald dazu übergegangen, wenig­stens darüber nachzudenken, wie wir, die Welt, die wir schon haben, noch retten könnten. Inzwischen gefriert ihnen und uns bei solchen Gedanken womöglich das Blut in den Adern. Aber: Wir sollten weiter darüber nachdenken. Etwas anders vielleicht, aber …

… wann dann? Ob es der günstigste Augenblick ist, die Arche neu zu erfinden, wenn einem – um es etwas blumig auszudrücken - eine gerade noch als Wasser erkennbare Brühe die Kiemen verklebt und ohnehin fast nur angeschwemmtes Totholz und Plastikmüll zur Verfügung stehen? Angesichts von Kriegen und Flüchtlingselend, von Hungersnöten in Afrika bis Afghanistan – von Umwelt- und Naturkatastrophen gar nicht zu sprechen – und zuletzt von skrupellosen Herrschern über die Hälfte der Menschheit, glauben allein bekiffte Misanthropen ernsthaft, daß es noch besser kommt. [...]
Ausgabe März / April 2022 | Essay

Alles nach Plan?

Ein Versuch, mit dem, was gegenwärtig in der Welt passiert, halbwegs zurechtzukommen.

Was gäben wir, hätte überhaupt irgendein Intelligenzblatt einen scharfsinnigen Putin-Erklärer: keinen -Versteher. Einen -Exegeten? Nur, wie immer bei woken Themen, tut sich da zunächst vor allem der Hobby-Irokese unter den hiesigen online-gazetteers Sascha Lobo hervor (auf Spiegel-online). Er freilich erläutert uns immerhin, „bodengestützt“ auf den amerikanischen Russlandexperten Michael Kofman, den britischen Militärwissenschaftler Justin Bronk und den bulgarischen Politologen und intimen Kenner des postsowjetischen Osteuropa, Ivan Krastev, die Entfaltung der russischen Propaganda (!) zum Anfangsversagen der russischen Truppen. Zunehmend wird deutlich, daß dieses Versagen den Angriff [...]
Ausgabe Januar / Februar / März 2022 | Essay

Utopienplage im Ohrensessel

Teil 1 – Der Büchermarkt wird derzeit regelrecht von Ratgebern, wie wir unsere Welt noch retten könnten, überschwemmt. Hinsichtlich der Diagnose sind sich alle weitgehend einig und überraschenderweise auch in puncto Therapie: Alles hängt vom guten Willen des einzelnen ab. Sehr ermutigend ist das nicht.

Transhumanismus? Ob das funktioniert? Auf solche Ideen kommen nur Edelfedern: den Leser über Fantasy-Gestalten, den Hobbits, Elben, Orks und Figuren aus unseren Volksmärchen, dem Aschenbrödel samt Schuh und Prinzen, zu Tolkiens „Eukatastrophe der Menschheit schlechthin“ zu schikken. Sie von der „guten Katastrophe“, der Geburt Jesus Christus, der dem Vernehmen nach vor über 2000 Jahren von Gott gesandt ward, um die Menschen zu retten und „vom Bösen zu erlösen“, beinahe direkt ins Metaversum von Mark Zuckerberg zu führen. Und dies, um sie daselbst (nach einigen retardierenden [...]
Ausgabe November / Dezember 2017 | Essay

Kahlschlag im Blätterwald

Über die Medienkrise und das publizistische Engagement der (fränkischen) Städte. Ein Essay. (Lesezeit ca. 30 Minuten)

Kahlschlag im Blätterwald
Prolog In naher Zukunft werden wir (als Gesellschaft) entscheiden, anspruchsvollere Zeitschriften öffentlich-rechtlich zu unterstützen; für den Erhalt unseres demokratischen Gemeinwesens wird das unvermeidlich werden. Und es wäre zu empfehlen, dies möglichst bald zu tun, solange ernstzunehmende Expertise (engagierter klassischer Journalismus) und Infrastruktur noch vorhanden sind. Die öffentliche Hand als gewichtiger Akteur in der Presselandschaft, wendet ohnehin längst, wenn auch unspezifisch, um nicht: unkontrolliert zu sagen, Unsummen für die „Meinungsbildung“ (in ihrem Sinne?!) auf. Städte, Kommunen, Behörden, überhaupt die Exekutive bewegt sich damit nicht selten in [...]
Ausgabe März / April 2019 | Essay

Verdächtig rund

Der Star-Reporter Claas Relotius stürzt den deutschen ­Journalismus in seine schlimmste Glaubwürdigkeitskrise. Wie aber lassen sich Literatur und Journalismus, bzw. im ­Journalismus Erdichtetes und Wahrhaftes unterscheiden?

Jetzt, wo wir es unbedingt einmal einlösen wollten, erweist sich Nina Ruges Versprechen doch als Fake. Es wird nichts, gar nichts wird gut. Es wird ziemlich sicher keinen geläuterten Post-Relotius-Journalismus geben. Vermutlich nicht einmal beim „Spiegel“, dessen Star-Reporter Claas-Hendrik Relotius über Jahre seine Artikel gefälscht hat, der hinzugedichtet hat, Protagonisten erfunden, Geschehen verzerrt, betrogen und gelogen hat, und der für seine Werke (um nicht zynisch „dafür“ zu sagen) in den letzten Jahren mit vielen bedeutenden Journalistenpreisen ausgezeichnet worden ist. Egal sollte uns das nicht sein: […]

Weitere Publikationen vom Verlag Kendl & Weissbach

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