Kategorie: Essay

Ausgabe September / Oktober 2022 | Essay

Der Kulturjournalismus ist nicht zu retten – eine Art Nabelschau

Kritik einer Bearbeitung des Themas Kulturjournalismus in der Mitgliederzeitschrift des Bayerischen Journalisten-Verbandes

Gorilla Fritz aus dem Nürnberger Tiergarten (leider am 20. August 2018 im Alter von 55 Jahren verstorben) hätte mit seinem wunderbaren Gesichtsausdruck bestimmt für einen eindrucksvollen Kulturkritiker stehen können. Wahrscheinlich war er das auch! Es gelingt nur wenigen, den Schaden eines glücklosen ersten Satzes wie: „Braucht die Gesellschaft die Kultur und den Kulturjournalismus?“, durch Erregung wahrer Witzeskräfte, im Folgenden halbwegs gutzumachen. Christiane Pfau, der Herausgeberin des „Münchner Feuilleton“, wird man dies gerne bescheinigen, zumal sie in ihrem Gastkommentar zum Kulturjournalismus in der aktuellen Ausgabe des [...]
Ausgabe Mai / Juni 2022 | Essay

Utopienplage im Ohrensessel

Teil 2 – Vor gar nicht so langer Zeit haben viele, durchaus schon besorgte Soziologen (offensichtlich etwas leichtfertig) wie vor ihnen Philosophen und Literaten über eine bessere Welt nachgedacht. Mit guten Gründen sind einige unter ihnen bald dazu übergegangen, wenig­stens darüber nachzudenken, wie wir, die Welt, die wir schon haben, noch retten könnten. Inzwischen gefriert ihnen und uns bei solchen Gedanken womöglich das Blut in den Adern. Aber: Wir sollten weiter darüber nachdenken. Etwas anders vielleicht, aber …

… wann dann? Ob es der günstigste Augenblick ist, die Arche neu zu erfinden, wenn einem – um es etwas blumig auszudrücken - eine gerade noch als Wasser erkennbare Brühe die Kiemen verklebt und ohnehin fast nur angeschwemmtes Totholz und Plastikmüll zur Verfügung stehen? Angesichts von Kriegen und Flüchtlingselend, von Hungersnöten in Afrika bis Afghanistan – von Umwelt- und Naturkatastrophen gar nicht zu sprechen – und zuletzt von skrupellosen Herrschern über die Hälfte der Menschheit, glauben allein bekiffte Misanthropen ernsthaft, daß es noch besser kommt. [...]
Ausgabe März / April 2022 | Essay

Alles nach Plan?

Ein Versuch, mit dem, was gegenwärtig in der Welt passiert, halbwegs zurechtzukommen.

Was gäben wir, hätte überhaupt irgendein Intelligenzblatt einen scharfsinnigen Putin-Erklärer: keinen -Versteher. Einen -Exegeten? Nur, wie immer bei woken Themen, tut sich da zunächst vor allem der Hobby-Irokese unter den hiesigen online-gazetteers Sascha Lobo hervor (auf Spiegel-online). Er freilich erläutert uns immerhin, „bodengestützt“ auf den amerikanischen Russlandexperten Michael Kofman, den britischen Militärwissenschaftler Justin Bronk und den bulgarischen Politologen und intimen Kenner des postsowjetischen Osteuropa, Ivan Krastev, die Entfaltung der russischen Propaganda (!) zum Anfangsversagen der russischen Truppen. Zunehmend wird deutlich, daß dieses Versagen den Angriff [...]
Ausgabe Januar / Februar / März 2022 | Essay

Utopienplage im Ohrensessel

Teil 1 – Der Büchermarkt wird derzeit regelrecht von Ratgebern, wie wir unsere Welt noch retten könnten, überschwemmt. Hinsichtlich der Diagnose sind sich alle weitgehend einig und überraschenderweise auch in puncto Therapie: Alles hängt vom guten Willen des einzelnen ab. Sehr ermutigend ist das nicht.

Transhumanismus? Ob das funktioniert? Auf solche Ideen kommen nur Edelfedern: den Leser über Fantasy-Gestalten, den Hobbits, Elben, Orks und Figuren aus unseren Volksmärchen, dem Aschenbrödel samt Schuh und Prinzen, zu Tolkiens „Eukatastrophe der Menschheit schlechthin“ zu schikken. Sie von der „guten Katastrophe“, der Geburt Jesus Christus, der dem Vernehmen nach vor über 2000 Jahren von Gott gesandt ward, um die Menschen zu retten und „vom Bösen zu erlösen“, beinahe direkt ins Metaversum von Mark Zuckerberg zu führen. Und dies, um sie daselbst (nach einigen retardierenden [...]
Ausgabe November / Dezember 2017 | Essay

Kahlschlag im Blätterwald

Über die Medienkrise und das publizistische Engagement der (fränkischen) Städte. Ein Essay. (Lesezeit ca. 30 Minuten)

Kahlschlag im Blätterwald
Prolog In naher Zukunft werden wir (als Gesellschaft) entscheiden, anspruchsvollere Zeitschriften öffentlich-rechtlich zu unterstützen; für den Erhalt unseres demokratischen Gemeinwesens wird das unvermeidlich werden. Und es wäre zu empfehlen, dies möglichst bald zu tun, solange ernstzunehmende Expertise (engagierter klassischer Journalismus) und Infrastruktur noch vorhanden sind. Die öffentliche Hand als gewichtiger Akteur in der Presselandschaft, wendet ohnehin längst, wenn auch unspezifisch, um nicht: unkontrolliert zu sagen, Unsummen für die „Meinungsbildung“ (in ihrem Sinne?!) auf. Städte, Kommunen, Behörden, überhaupt die Exekutive bewegt sich damit nicht selten in [...]

Weitere Publikationen vom Verlag Kendl & Weissbach

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