Editorial von Wolf-Dietrich Weißbach | Ausgabe Juli / August 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Glauben Sie bloß nicht, wir hätten keinen Plan. Weit gefehlt! Wir haben nämlich wirklich keinen. Es sei denn, im Dunkeln stehen und keinen Laut geben, wäre einer. Die Sache ist die – wir drücken das mal etwas bildlich aus: Befindet man sich mit einem Kahn auf ei- nem erbosten Fluß, mag es hilfreich sein, lauthals um Hilfe zu rufen. Eventuell steht ja am Ufer jemand, der einem Glück wünscht. Das entspräche der Lage im Mai und Juni. Jetzt blicken wir unruhig-klopfenden Herzens auf den Herbst: Bei einem höllischen Sturm mit dem Kutter auf dem aufgepeitschten Meer, empfiehlt es sich vor allem, ru- hig zu bleiben. Mit Verweis auf einen eher unbekannten, antiken Autor (Bion von Borysthenes) rät dazu der englische Philosoph Francis Bacon: Es sei nämlich besser, man mache die Götter nicht auf sich aufmerksam: Peace, let them not know ye are here. Die Begründung dafür liefert sein Zeitgenosse Shakespeare im 4. Akt von „King Lear“: „Was Fliegen sind den müß’gen Knaben, das sind wir den Göttern: Sie töten uns zum Spaß.“ Vermutlich sind Sie jetzt ganz sicher: Wir haben wirklich keinen Plan. Und es besteht eben die Gefahr, daß wir an einer Überdosis aufrechten Journalismus‘ zugrunde gehen.

Wir haben aber tatsächlich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sagen wir, nachdem wir gemerkt haben, wie wahnsinnig wichtig der Politik Kultur und Medien, vor allem in der Provinz sind, arbeiten wir mit analogen Ideen an einem Plan. (Okay, okay, wir digitalisieren uns schon auch etwas, obwohl das, was wir gegenwärtig im Netz beobachten, sich zwar schrill aufführt, aber doch zumeist recht einfallslos ist.) Ob wir uns gegenüber größeren regionalen Verlagen, die derzeit mit allen Mitteln, auch unlauteren, den Markt (um Anzeigen) durchpflügen und bereinigen, behaupten können, wissen wir nicht. Vermutlich entbehrt es ja sogar einer sachlichen Grundlage, aber wir sind eigentlich sicher, daß sich eine Strategie, die von ganz oben, bei Google angestoßen, wie fallende Dominosteine bis in die einzelne Kommune fortsetzt, nurmehr an Content, Reichweite, Marktbeherrschung interessiert, keinen Raum für eine Pressevielfalt mehr läßt, die Zeitungslandschaft zerstören wird. Und eigentlich sollte dies nicht im Interesse der Politik sein. Vermutlich fühlt sich nur niemand verantwortlich; in Berlin nicht, in München nicht …

Wir fühlen uns aber verantwortlich. Wir haben gute MitarbeiterInnen, die ihre Wörterbücher noch nicht leergeschrieben haben. Wir kämpfen!

Natürlich ist auch die Ausgabe, die Sie jetzt in Händen halten, eine Notausgabe, aber seien Sie versichert, die meisten Blätter, die Ihnen gegenwärtig begegnen, sind nicht so gut.




Alle Artikel der Ausgabe Juli / August 2020:

- Der Beginn einer wunderlichen Serie- Die ganze Burgenherrlichkeit in einem Winkel- "Ich werde nicht mehr gewünscht auf der Straße"- Der Tod mag Wurst (gegrillt)- Der Wolkenkratzer am Plärrer- Ein Lied gegen das Virus- Für ein neues Weltbürgerbewußtsein- Denkmalschutzmedaille für
Dr. Andrea Kluxen
- Ein echter Local Player- „Deckname Antenne“

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