Editorial von Wolf-Dietrich Weissbach | Ausgabe Juli / August 2022

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dem französischen Dichter – im weitesten Sinne auch ein Franke – Charles Baudelaire (1821 – 1867) wird der Satz zugeschrieben: „Man hat nicht das Recht, die Gegenwart zu verachten.“ Der hatte freilich leicht reden. Es gab damals keine Tagesschau, weder Meta (Facebook) noch Tiktok. Andererseits hatte aber unser aller Dichterfürst sogar schon etwas früher festgestellt: „Von der Vernunfthöhe herunter, sieht das ganze Leben wie eine böse Krankheit und die Welt einem Tollhaus gleich.“ Nun vielleicht sind die Abscheulichkeiten, der tägliche Irrsinn, jetzt eben erst auf unserem Niveau angekommen; all das, was wir hier nicht anführen (Sie wissen, was gemeint ist), das aber so manchen Zeitgenossen veranlaßt, sich die täglichen Nachrichten zu versagen, weil er sie nicht mehr erträgt. 

Was vor allem in den letzten Monaten auf uns hereinbricht, erfordert in der Tat Heldenmut, einen „Heroismus der Zeitgenossenschaft“ (nennt das der Kulturkritiker Ralf Konersmann), um nicht in Scheinwelten abzutauchen, in Vergangenheiten zu versinken oder in Utopien und Zukunft vorauszueilen. Obwohl, eine Zukunft wollen nach jüngsten Erhebungen nicht einmal mehr die Jungen. Also: Es könnte doch sein, daß das, was uns beunruhigt, wie heißt das: in absoluten Zahlen, wirklich mehr, viel mehr geworden ist. Wir sind ja auch mehr, was freilich beinahe eine beruhigende Erklärung wäre. Nein, auch nicht? Es scheint tatsächlich, um sinngemäß noch eine, über jeden Zweifel erhabene Geistesgröße (Shakespeare) zu bemühen, die Hölle leer zu sein; „alle Teufel sind hier“. Sollten wir uns nicht vielleicht trotzdem, wenigstens ein bißchen, das Recht … und so? 

Man wird doch noch die abgrundtiefe Dummheit, die uns tagtäglich aus den Medien und – wenn auch graduell zahmer – in nahezu allen Lebenslagen anbellt, etwas von oben herab, okay, okay: überheblich belächeln dürfen. Nein! Weil man so und sei es glitzeklein-wenig an genau dem mitverantwortlich wird, was man doch eigentlich nicht in der Welt haben möchte. Vorsichtig ausgedrückt: Es deutet einiges darauf hin, daß das oben erwähnte abgrundtief Böse letzten Endes aus dem ganz banalen Dummen entsteht. Stellen wir es uns einfach so vor: Dummheit (inklusive unserer eigenen) wird angehäuft und angehäuft und angehäuft und irgendwann gefährlich. Auch für uns selbst. Viel Lesefreude mit unser neuen Ausgabe!

Wolf-Dietrich Weissbach, Chefredakteur

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