Ausgabe Juli / August 2022 | Politik & Gesellschaft

Optimistischer Blick in die Zukunft

Der „Tag der Franken“ stand in diesem Jahr unter dem Motto „Kunst, Kultur, Klima“

Text: Markus Mauritz | Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach
Aschaffenburgs OB Jürgen Herzing (l.) und ­Unterfrankens Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel freuen sich zu früh.
Aschaffenburgs OB Jürgen Herzing (l.) und ­Unterfrankens Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel freuen sich zu früh:
Ministerpräsident Markus Söder (r.) fotografiert nicht sie, sondern sich selbst (mit einem treuen Untertanen).

So fränkisch geht es am bayerischen Untermain nicht immer zu: bei strahlendem Sonnenschein und herrlichem Volksfestwetter feierten am Sonntag (3. Juli) in Aschaffenburg Tausende von Besucherinnen und Besucher den „Tag der Franken“. Um keine der vielen Attraktionen dieses Tages zu verpassen, hatten die Veranstalter einen kleinen Stadtplan drucken lassen, auf dem alle Schauplätze zwischen der Saint Germain Terrasse und dem Hofgarten Kabarett, dem Kirchnerhaus-Museum und dem Floßhafen zu finden waren. 

Begonnen hatte der „Tag der Franken“ im gewaltigen Innenhof von Schloss Johannisburg mit der Festrede von Ministerpräsident Markus Söder und einer „Liebeserklärung“. Franken sei eine der schönsten Regionen der Welt. „Und darauf sind wir stolz!“, sagte der bayerische Regierungschef. Die Menschen hier seien bodenständig, so Söder weiter. Für sie sei das Schönste am Urlaub der Heimweg. Die fränkische Sprache sei lieblich, sie komme ohne hartes P oder T aus. Und die Kultur sei tolerant. „Oder wo gibt es das sonst noch, dass man zu einer der wichtigsten kulturellen Veranstaltungen, der Fastnacht in Veitshöchheim, Teilnehmer aus dem tiefsten Süden einlädt, aus der Oberpfalz, und sich von denen beleidigen lässt!“

Spontanen Beifall erntete der Ministerpräsident auch für seine Differenzierung der drei fränkischen Bezirke. In Unterfranken seien die Menschen am fröhlichsten: „Ich weiß nicht, ob das am Wein liegt oder an der vielen Sonne?“ Die Oberfranken seien die Kernigsten, sagte Söder – und die Mittelfranken …? An dieser Stelle musste er kurz nachdenken: „Die Mittelfranken sind ziemlich schüchtern“, stellte der gebürtige Nürnberger dann fest. 

Natürlich kam auch die Söder-Rede zum „Tag der Franken“ nicht ohne eine Bemerkung zur Weltpolitik aus. „Beim G7-Gipfel in Schloss Elmau haben wir gezeigt, was wir haben!“ Dazu gehörten eben in Bayern die Trachtler und die Gebirgsschützen. Dem US-Präsident Joe Biden habe er erklärt, dies sei „the bavarian army“, sagte Söder augenzwinkernd. Anlass zu Spott, wie in den sozialen Netzwerken geschehen, gebe es absolut keinen: „Wer seine Geschichte nicht kennt und sein Land nicht liebt, der kann keine Kraft entwickeln“, machte der Ministerpräsident klar.

Trachtengruppen und Volksmusikgruppen aus verschiedenen Teilen Frankens (hier ein Trachtenverein aus Sennfeld bei Schweinfurt) „bespassen“ die Gäste des Tages der Franken in Aschaffenburg.
Trachtengruppen und Volksmusikgruppen aus verschiedenen Teilen Frankens (hier ein Trachtenverein aus Sennfeld bei Schweinfurt) „bespassen“ die Gäste des Tages der Franken in Aschaffenburg.

Aber wie fränkisch ist denn nun Aschaffenburg tatsächlich? Oberbürgermeister Jürgen Herzing, der den Festakt eröffnet hatte, wusste eine probate Antwort: „Wir schätzen den Wein geradeso wie das Bier, die Bratwurst genauso wie das Schäufele. Wir holen uns von überall her das Beste – und das ist Aschaffenburg!“ Herzing wies darauf hin, dass in Aschaffenburg Umweltschutz großgeschrieben werde. Dies zeige sich auch beim „Tag der Franken“, sagte das Stadtoberhaupt. Unter dem Motto „Kunst, Kultur und Klima“ ziehe sich der Aspekt der Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch das Programm und die verschiedenen Veranstaltungen. Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel wies darauf hin, dass der „Tag der Franken“ in diesem Jahr zum fünften Mal in Unterfranken stattfinde – nach Miltenberg, Bad Kissingen, Ochsenfurt und Kitzingen diesmal in Aschaffenburg. Diese Liste lebendiger und zugleich romantischer unterfränkischer Städte zeige eindrucksvoll den Charme der Region, „sie belegt die Attraktivität unserer drei fränkischen Bezirke!“ Den „Tag der Franken“ bezeichnete er als „eine Premium-Veranstaltung, auf die – ohne Übertreibung – ganz Bayern blickt.“ Einen besseren Rahmen für eine zeitgemäße Demonstration fränkischen Selbstbewusstseins könne man kaum finden! „Wir können also stolz und optimistisch in die Zukunft blicken!“ Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte, gab es beim so genannten „Zukunftsmarkt“. Auf dem großen Platz zwischen der Stadthalle und dem Schloss Johannisburg präsentierten sich zahlreiche Verein, Organisationen und Initiativen, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen. Und auch sonst war beim „Tag der Franken“ in Aschaffenburg vieles der Zeit voraus. Um den CO2-Fußabdruck möglichst gering zu halten, gab es für die Besucherinnen und Besucher einen kostenlosen Pendelverkehr. Die Technische Hochschule Aschaffenburg begleitete den „Tag der Franken“ wissenschaftlich im Rahmen eines Forschungsprojekts zum Nachhaltigkeits-Monitoring. Insgesamt achteten die Organisatorinnen und Organisatoren auf einen ökologisch sinnvollen Verlauf des „Tag der Franken“.

Mit klingendem Spiel ging es nach der offiziellen Eröffnung in einem großen Festzug von der Aschaffenburger Lindenallee zurück zum Schlossplatz. Allen voran in zwei Pferdekutschen Ministerpräsident Söder, Oberbürgermeister Herzing und Bezirkstagspräsident Dotzel. Links und rechts der Straßen standen die Zuseherinnen und Zuseher Spalier, während die insgesamt 23 fränkischen Trachten-, Musik, Kultur- und Brauchtumsgruppen vorüberzogen.

Ein Höhepunkt des Umzuges zum Tag der Franken: Die „March Mellows“ aus Aschaffenburg.
Ein Höhepunkt des Umzuges zum Tag der Franken: Die „March Mellows“ aus Aschaffenburg.

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