Brückenschlag nach Irland, Teil 2
„Der Auftakt unserer Beziehungen war etwas blutig“, erklärte George Jones bei der Unterzeichnung der Partnerschafts-Urkunden zwischen der Stadt Würzburg, der Stadt Bray und dem County Wicklow.
Text: Wolfgang O. Hugo

Das war im November 1999. Er meinte damit den Märtyrertod, den Kilian und seine Gefährten Kolonat und Totnan im fernen Jahre 689 in Würzburg erlitten. Über 25 Jahre später ist George Jones immer noch Vorsitzender der Irisch-Deutschen Gesellschaft Bray und voll des Lobes über die Beziehungen mit der Stadt Würzburg und seinem Partnerverein, der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg unter Matthias Fleckenstein. Nachdem man das erste Vierteljahrhundert im Herbst 2024 in Bray gefeiert hatte, reisten George Jones und Kommunalpolitiker der Stadt Bray und des County Wicklow im Mai 2025 nach Würzburg, um die Beziehungen zu vertiefen. „Im Frühjahr 1999 waren wir überrascht, als drei Vertreter aus Bray nach Würzburg kamen und uns ein Partnerschaftsangebot für Bray, einen Vorort der Hauptstadt Dublin, machten“, erinnert sich Altbürgermeister Dr. Adolf Bauer. Ermöglicht wurde die Offerte durch die seit 1983 gepflegte Schulpartnerschaft zwischen der St. Kilian‘s Community School in Bray und dem Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg, überbracht wurde sie von Kevin Meehan und Heiner Ratsch. Weitere Kontakte gab es mit dem Sozialreferat der Stadt Würzburg und dem Ökumenischen Zentrum Lengfeld. „Bereits nach dem Besuch der Kilians-Krypta in Neumünster war klar, daß die Iren zu einer Partnerschaft entschlossen waren“, berichtet Adolf Bauer. In Rekordzeit wurden die Urkunden erarbeitet und am 1. November 1999 in Bray unterzeichnet. „Entdeckt“ hatte die „Grüne Insel“ über vier Jahrzehnte zuvor Jürgen Gottschalk. Der Grundschullehrer und Pfadfinder aus Lengfeld hatte im Sommer 1964 mehrere Wochen Irland auf über 7 000 Kilometern mit dem Fahrrad erkundet und dabei mehrere Reifen verschlissen. Die Faszination der Insel ließ ihn nicht mehr los. Er plädierte für eine Partnerschaft mit Irland, schließlich sei Würzburg „die irischste Stadt auf dem Kontinent“, zudem gebe es über 1 300 Jahre besondere Beziehungen. Mit Irlandfreunden gründete er am 8. Juli 1986 die Deutsch-Irische Gesellschaft (DIG), war bis 2012 deren Vorsitzender, bis zu seinem Tod 2019 Ehrenvorsitzender. 2006 würdigte die Stadt Würzburg Gottschalks Verdienste um die Beziehungen zu Irland mit der Partnerschaftsmedaille.

Dreifacher Brückenschlag nach Irland
In Unterfranken gibt es drei Kommunen, die Partnerschaften mit Irland pflegen. Die älteste Partnerschaft verbindet Clonakilty im County Cork in Irlands Süden, mit dem „Twinning partner“ Waldaschaff bei Aschaffenburg (1989). Seit 2014 pflegt Kürnach (Lkrs. Würzburg) eine Freundschaft mit dem County Cavan in der Mitte Irlands und der Gemeinde Mullagh, wo der Hl. Kilian geboren wurde. Die Partnerschaft Würzburg mit Bray und County Wicklow hat eine Besonderheit: Die Stadt Bray hatte beim Abschluss der twinning-Urkunde im Jahre 1999 nur 17 000 Einwohner (heute 31 000) und da fügte es sich gut, dass George Jones damals in Personalunion Cathaoirleach (Vorsitzender) des County Council war. Daher beschlossen die Iren, das County Wicklow mit 130 000 Einwohnern, 30 Golfplätzen und dem Great und Little Sugar Loaf zur Städtepartnerschaft Bray-Würzburg quasi dazuzugeben.
Im Partnerschaftsvertrag Würzburg/Bray/Wicklow von 1999 heißt es wörtlich: „Wir haben beschlossen, unsere Beziehungen im kulturellen wirtschaftlichen und sozialen Bereich zu stärken, um den Gedanken der Freundschaft zwischen den Bürgern unserer Regionen zu entwickeln. Dann folgt der vielleicht wichtigste Gedanke: „Unseren jungen Menschen wollen wir mit dem diesem Brückenschlag den Weg nach Europa erleichtern.“ Da geht es um Theorie und Praxis, denn theoretisch kommen die jungen Menschen und Europa in fast allen Verträgen vor. Und wie sieht es in der Praxis aus?

Im Falle Würzburg florieren die Irland-Aktivitäten in der Tat: Nach dem Grünewald-Gymnasium haben inzwischen auch das Riemenschneider-Gymnasium, die St. Ursula-Schule und die Maria-Ward-Schule Austauschprogramme mit Schulen in Bray und Wicklow. Das Siebold-Gymnasium kooperiert mit (der deutschen) St. Kilian’s School auf dem Eurocampus Dublin und das Dag-Hammarskjöld-Gymnasium hat Kontakte mit einer kirchlichen Schule in Greystones.
Warum kommen Staatspräsidenten aus Irland so gerne nach Würzburg? Weil die Uni-Bibliothek die ältesten irischen Handschriften auf dem Kontinent in ihren Beständen hat. Zuletzt waren am 5. Juli 2019 der irische Staatspräsident Michael D. Higgins und seine Frau Sabina Higgins beim Besuch in Würzburg. Es war ein großer Tag für die „irischste Stadt auf dem Kontinent“!





