Widersprüchliches aushalten und gestalten
Text + Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Martin Heilig, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg
Widersprüchliches aushalten und gestalten. In unserer komplexen und arbeitsteiligen Welt muss ich als Oberbürgermeister jeden Tag mit dem Widerspruch klarkommen, dass Kommunalpolitik an Grenzen stößt und gleichzeitig Grenzen überwinden kann wie vielleicht keine andere politische Ebene. Wie ich das meine und wie man es mit diesem Spannungsverhältnis aushält, möchte ich an drei Beispielen erläutern und ja, es hat in allen drei Fällen auch mit viel Geld zu tun.
Die Linie 6. In Würzburg gibt es mit dem Hubland einen neuen Stadtteil, der entstand, weil mit dem Abzug der US-Streitkräfte unsere Stadtplaner eine attraktive Fläche entwickeln konnten, die fast der Größe unserer Altstadt entspricht. Hier haben wir als Stadt in einem Jahrzehnt Unglaubliches geleistet. Wir nähern uns Zug um Zug den angestrebten 5 000 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern. Was noch fehlt, ist die Straßenbahnlinie, die dieses Quartier komfortabel und nachhaltig anschließt.
Aktuell befindet sich der Förderantrag kurz vor der Vollendung, das wäre der nächste wichtige Schritt. Wenn man den Blick zurück und nach vorne wirft, so muss man feststellen, dass aktuelle Förder-, Genehmigungs- und Planungsverfahren nicht geeignet sind, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden. Der Klimawandel ist nicht gewillt, sich die gleiche Zeit zu lassen, die wir aktuell brauchen, um eine Trasse zu bauen, deren volkswirtschaftlicher Nutzen seit Jahren attestiert ist.
Die Multifunktions-Arena. Würzburg muss als Standort im Wettbewerb der Metropolen und Regionen kontinuierlich punkten. Unsere Hochschulen waren hier stets ein wichtiger Taktgeber – oder auch Investitionen in das Tagungs- und Kongresswesen. Aktuell haben wir wieder eine Chance, die sich vielleicht nur einmal so ergibt – durch den Bau einer klimaneutralen Multifunktions-Arena, Spitzensport, Events und eben auch Kongresse in unsere Stadt zu holen oder hier zu halten.
Trotz der Bereitschaft einiger Unternehmen, hier einen maßgeblichen Beitrag zur Realisierung zu leisten, und einem tiefen Griff in unsere Stadtkasse bleibt aktuell ein Delta, das noch geschlossen werden muss. Die Multifunktions-Arena wäre auf jeden Fall ein Ort der Begegnung und der Emotionen – ein Leuchtturm für die gesamte Region Mainfranken!
Die Wärmewende. Und noch ein drittes dickes Brett möchte ich vorstellen: Kommunen können einen Riesenbeitrag bei der Klimawende leisten, wenn sie eine Wärmeplanung auflegen, die den Anteil von fossilen Energieträgern und somit den CO2-Ausstoß deutlich reduziert. Das Heizen ist nun einmal ein entscheidender Faktor auf dem Weg zur Klimaneutralität. Zusammen mit unseren Stadtwerken ist die Stadt Würzburg in diesem Prozess aktuell ganz weit vorne in Deutschland, aber der Weg ist auch für uns noch ein weiter.
Diesen Prozess zu gestalten, macht Spaß. Ökologische Vernunft, wirtschaftlicher Erfolg und bürgerfreundliche Energiepreise gehen zusammen, wenn eine kluge, verlässliche Wärmeplanung Hauseigentümern und Investorinnen frühzeitig Planungssicherheit gibt. Genau das streben wir an.
So bin ich gerade für Würzburg sehr zuversichtlich, dass wir diese nachhaltigen Großprojekte gemeinsam erfolgreich meistern werden. Denn Würzburg ist zum Glück eine Mitmach-Stadt und zeigt eindrucksvoll: Wir können Traditionen hochhalten und gleichzeitig mutig die Segel für die Zukunft setzen. Es ist die Mischung aus fränkischer Gelassenheit und akademischer Exzellenz, aus wirtschaftlicher Kraft und sozialem Feingefühl, die uns in Würzburg auszeichnet. Darauf bin ich als Oberbürgermeister sehr stolz.

