Ausgabe März / April 2026 | Soziales

Verantwortung für die Schöpfung

Die Erlöserschwestern in Würzburg wollen unverzagt, auch in schwieriger Zeit, ihrem Auftrag gerecht werden.

Text: Renate Freyeisen | Fotos: Peter Schuhman
„Hell ist die Nacht“ hieß eine außergewöhnliche musiktheatralische Installation beim Würzburger Mozartfest, erstmals aufgeführt 2024, wiederholt 2025.
„Hell ist die Nacht“ hieß eine außergewöhnliche musiktheatralische Installation beim Würzburger Mozartfest, erstmals aufgeführt 2024, wiederholt 2025.

Eine Oase der Ruhe, der geistigen Besinnung mitten in der Stadt Würzburg ist das riesige 1,5 ha große Areal der „Erlöserschwestern“ hinter dem Dom. Wer durch das reich verzierte Portal in der Domerschulstraße eintritt, befindet sich in einer anderen Welt. Früher war der Eingang in der Ebrachergasse zum Kloster der katholischen Ordensschwestern durch eine Pforte abgeschlossen, heute durchquert man einen Vorhof mit Rasenflächen, wird von einem freundlichen Empfang weitergeleitet in den eigentlichen, gärtnerisch gestalteten Innenhof mit der Klosterkirche, dem Café Mares, alles umschlossen von großen Gebäuden. Offenheit ist nun das Prinzip, offen will der Klosterbereich sein für die Menschen. Sie werden hier eingeladen zu einer Begegnung mit sich, mit anderen Menschen, mit Gott und der Schöpfung. Diese vier Leitsätze stehen im Vordergrund. Verwirklicht werden sollen sie durch eine Kultur der Gastfreundschaft und Menschenfreundlichkeit. Die Klosterschwestern im Mutterhaus in Würzburg, derzeit 70 oft hochbetagte Ordensfrauen, kenntlich an ihrer Schwesterntracht, machen mehrheitlich bei den neuen Aktivitäten gerne mit. Ursprünglich aber wurde der Orden, aus dem die jetzigen Erlöserschwestern hervorgingen, 1848 in Frankreich, in Niederbronn im Elsaß, aus der Not der Zeit heraus von Mutter Alfons Maria Eppinger gegründet, 1814 als Tochter armer Leute geboren, kränklich und ohne gute Schulbildung, fromm und schon immer vom Wunsch beseelt, in ein Kloster einzutreten; als sie abgewiesen wurde, gründete sie gegen alle Widerstände eine Ordensgemeinschaft, die sich vornehmlich der Pflege der Kranken und Sorge für Arme widmen wollte. Der Zulauf war groß, und bald war Niederbronn zu klein geworden für die „Töchter des Göttlichen Erlösers“. Der Orden erweiterte sich in mehrere Niederlassungen, aber erst 1866 wurde die Trennung von den Niederbronner Schwestern in der Diözese Würzburg genehmigt unter der Bezeichnung „Kongregation der Töchter des Allerheiligsten Erlösers“.

Mutterhausareal um 1925
Mutterhausareal um 1925

Den Menschen helfen und dienen

Altar
Altar

Das erste Mutterhaus in Würzburg war in der Kettengasse, wo sich heute der Kindergarten und Kinderhort St. Anna befinden. Bald reichte dieses Haus nicht mehr durch unerwartet viele Eintritte. In ganz Franken entwickelten sich Filialen, in denen Schwestern in der Kinder-, Kranken- und Altenpflege wirkten. Spannungen ergaben sich durch die Kriegsnot 1870/71 mit der kirchlichen Leitung der Diözese, was in die Dispensierung der verdienstvollen Generaloberin Honorine Steimer mündete. Nach ihrem Tod wurde sie rehabilitiert. An sie erinnert heute ein Grabstein in der Mutterhauskirche. Wegen des Anwachsens der Klostergemeinschaft verlegte der Orden schließlich das Mutterhaus in die Ebrachergasse, musste aber immer wieder das dortige Klosterareal durch Zukäufe von Gebäuden in der Bibrastraße und der Domerschulstraße erweitern, etwa mit der Theresienklinik. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs der Orden immer weiter, aber nach dem Krieg traten immer weniger Schwestern ein. Heute führt Generaloberin Monika Edinger die Ordensgemeinschaft, zu dem neben dem Würzburger Zentrum auch das Seniorenheim in Heidenfeld bei Schweinfurt mit ca. 30 Schwestern gehört, ebenso eine kleinere Niederlassung in Philadelphia/USA und eine prosperierende in Afrika, in Tansania. Waren früher die „Ebracher“ Schwestern unverzichtbar in der Krankenpflege, etwa im Luitpoldkrankenhaus oder in der Augenklinik, so musste wegen der immer mehr sinkenden Schwesternzahlen ein Umdenken stattfinden, was besonders die eigenen Kliniken des Ordens betraf; und auch – wegen der Finanzmisere im Gesundheitswesen – das St. Josefs-Krankenhaus in Schweinfurt und die Theresienklinik in Würzburg; für Schweinfurt wurde eine probable Lösung durch eine GmbH gefunden, in Würzburg soll das Haus veräußert und umgewandelt werden.

Nun aber wollen die Erlöserschwestern weiterhin ihrem Auftrag, den Menschen zu helfen und zu dienen, gerecht werden; dies geschieht einerseits im Bereich der Kindererziehung durch drei Kitas und einen Kinderhort. Andererseits wird immer gedacht an Arme und Bedürftige; so bewirten die Schwestern Notleidende in der Elisabeth-Stube in der Ebrachergasse täglich mit einem warmen Mittagessen, übrigens ohne Prüfung eines Anspruchs darauf; 60 bis 80 Leute kommen da immer.

Taufbecken
Taufbecken

Geistige und geistliche Impulse

Auch für Geflüchtete stellt das Mutterhaus Wohnräume zur Verfügung; denn die Not ist weiterhin groß, und viele der Schwestern wechseln, wenn sie gebrechlich werden, nach Heidenfeld. Der sozialkaritative Ansatz des Ordens aber verwirklicht sich auch in der Öffnung des Klosters für die geistigen Anliegen unserer Gesellschaft. Dazu dient z. B. das Café Mares als Treffpunkt mitten in der Stadt, Behinderte und Kinder sind hier willkommen, genießen bei warmem Wetter die Möglichkeit, sich draußen aufzuhalten. Die früheren Parkplätze sind alle verschwunden; dafür wurden Grün- und Blüh­flächen angelegt in fünf verschiedenen Gärten. Denn in Verantwortung für die Schöpfung will der Orden das Prinzip der Nachhaltigkeit befolgen.

Die früheren Parkplätze sind verschwunden; dafür wurden Grün und Blühflächen angelegt.
Die früheren Parkplätze sind verschwunden; dafür wurden Grün und Blühflächen angelegt.

So wurden die denkmalgeschützten Dächer vielbeachtet mit speziellen, „natürlich“ aussehenden Photovoltaik-Dachziegeln belegt, teuer, aber sinnvoll. Auch durch die Umgestaltung der neoromanischen Kirche wird eine bedeutende liturgische Veränderung sichtbar: Der helle, weiße Raum hat nun als Zentrum den Altar in der Mitte, öffnet sich den Gläubigen rundum. Hier in der Kirche und in den großzügigen anderen Räumlichkeiten sollen Menschen, die für geistige und geistliche Impulse aufgeschlossen sind, durch kulturelle Aktivitäten Anregung erfahren. So gibt es Seminarräume, wo letztes Jahr ein mehrtägiges Symposion zum Bauernkrieg abgehalten wurde, und im Honorine-Saal, dem ehemaligen Speisesaal, dem Josefssaal und dem Festsaal mit Bühne, wie auch in der Kirche können Konzerte, Lesungen und Theatralisches stattfinden, aber immer passend zum Kloster als geistlichen Raum. Die Zusammenarbeit mit dem Mozartfest wurde auch schon national preisgekrönt – siehe Kasten über die Buchveröffentlichung! 2026 wird es wieder beim Mozartfest zwei Konzerte geben, „In leuchtender Nacht“ und „Am strahlenden Morgen“ mit dem Bachchor Salzburg. Auch an die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und die Errettung von 500 Menschen im Klosterkeller werden wieder neun Führungen erinnern. Bei den Open-Air-Konzerten und dem sommerlichen Freilichttheater hinter der Klosterkirche sind die eher „leiseren“ Formate gefragt, denn das Kloster bleibt immer noch ein Ort der Besinnung. Dazu passt auch die Zusammenarbeit mit der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Würzburg, die in einem Teil des Areals ihren Sitz hat. Diese neue, aufgeschlossene Bestimmung des Klosters steht unter der freundlich bestimmten Leitung von Generaloberin Monika Edinger und ihrer Mannschaft in vielen Bereichen. Das offene Konzept wird mittlerweile von der Bevölkerung bestens angenommen!

Generaloberin Monika Edinger
Generaloberin Monika Edinger

Mozartfest-Buch / Opus Klassik 2025

„Hell ist die Nacht“ hieß eine außergewöhnliche musiktheatralische Installation beim Würzburger Mozartfest, erstmals aufgeführt 2024, wiederholt 2025. Zu Recht wurde dieses Projekt 2025 mit dem Opus Klassik 2025 ausgezeichnet. Nun erinnert ein Buch an diese zutiefst beeindruckende Produktion. Das Besondere dabei war der Ort, das Kloster der Erlöserschwestern in Würzburg, wo im Keller, am 16. März 1945, wie durch ein Wunder neben 300 Klosterschwestern auch 200 Soldaten und Zivilisten aus der Umgebung die Zerstörung in der Bombennacht überlebten. Daran erinnerte die von Regisseur Max Koch erfundene szenische Handlung um zwei Liebende, die durch das Inferno des Kriegs auseinandergerissen werden. Sie singen und spielen ihre fiktive Geschichte. Mitspieler waren auch vier Ordensschwestern und die Örtlichkeit des Klosters, begonnen im ehemaligen Speisesaal unter neblig-düsterem Licht; von dort führte die Erinnerungsreise das Publikum weiter in die historische Küche, danach ging es die enge Treppe hinunter, bis man um weitere Ecken und Nischen im niedrigen Luftschutzkeller ankam. All diese Eindrücke bewahrt die großzügige Buch-Dokumen-tation. Das Buch, publiziert vom Verlag „Theater der Zeit“, kostet 20 Euro.

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Franken-Magazin - Ausgabe 07-08-2025

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