Ausgabe Juli / August 2020 | Politik

Für ein neues Weltbürgerbewußtsein

Die Corona-Pandemie ist nicht nur nicht zu Ende, sie wird uns vermutlich sogar noch lange beschäftigen. Es ist also viel zu früh für eine Bilanz, selbst für eine vorsichtige Zwischenbilanz.

Autor + Fotos: Wolf-Dietrich Weißbach

Es könnte jedoch der richtige Zeitpunkt sein, etwas „auf Vorrat zu denken“, uns zu überlegen, was wir, wenn diese Krise irgendwann beendet sein sollte, in unserer Gesellschaft, womöglich bis hin zum ganz persönlichen Leben, anders machen könnten und vielleicht auch unbedingt anders machen sollten. Zu diesem Thema möchten wir in den nächsten Ausgaben des Franken- Magazins mit Politikern, Abgeordneten verschiedener Parteien, mit Oberbürgermeistern, Landräten, Unternehmern, Fachleuten, Wissenschaftlern in Franken sprechen. Den Anfang machen wir mit dem SPD-Landtagsabgeordneten aus Ochsenfurt in Unterfranken, Volkmar Halbleib. Der Haushalts- und Finanzexperte ist seit 2008 im Bayerischen Landtag und seit 2013 parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion.

Was sollte nach Corona anders gemacht werden? Muß überhaupt etwas anders gemacht werden? Was kann anders gemacht werden?

Volkmar Halbleib: Für eine Bilanz der Corona-Pandemie und somit auch für die Frage, wie es nach Corona weitergeht und welche Lehren wir daraus ziehen, ist es leider zu früh. Solange völlig off en ist, wann ein Impfstoff tatsächlich zur Verfügung steht und solange Abstandsregeln, Maskengebote und Kontaktbeschränkungen als zentrale Strategie in der Pandemie-Bekämpfung verstanden werden, solange sind klare Antworten auf die Frage „wie weiter?“ schwer möglich. Deutlicher als je zuvor ist jedoch, daß viele Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, wohl nur noch in einer weltweiten Zusammenarbeit angegangen werden können. Mit Blick auf Trump und Bolsonaro etwa wird man da freilich nicht viel erwarten können. Überhaupt ist die Situation in unserer Welt gegenwärtig noch undurchsichtiger, noch schwieriger zu beurteilen, als in normaleren Zeiten. Was passiert in China, in Afrika, aber natürlich auch in Europa, vor unserer Haustür?

Gleichwohl muß gehandelt werden und dies doch nicht nur wirtschaftspolitisch.

Halbleib: Das ist richtig und richtig ist auch: Einer muß anfangen. Wir können nicht einfach warten, bis sich alle geeinigt haben. Je länger wir warten, desto größer werden die Probleme, sei es in puncto Klima oder Flüchtlinge. Andererseits bin ich zuversichtlich. Wir konnten in den vergangenen Wochen sehen, daß wir alles in allem, natürlich mit einigen Abstrichen und Fragezeichen, ein funktionierendes demokratisches Staats- und Gemeinwesen haben. Wir konnten feststellen, wie schnell Veränderungen möglich sind, wenn eine klar definierte Herausforderung, eine konkrete Gefahr besteht. Wir haben gesehen, daß die Menschen – jedenfalls in ihrer Mehrheit – wenn es darauf ankommt, zusammenhalten. Wir haben auch gesehen, daß wir als Gesellschaft in der Lage sind schnell zu reagieren, sobald der entsprechende Wille vorhanden ist. Wir verfügen über Mittel und die Anpassungsbereitschaft für notwendige Einschränkungen beispielsweise der Kommunikation, wo es gelang innerhalb weniger Wochen vieles digital zu leisten, etwa Videokonferenzen, die für viele absolutes Neuland waren. Es hat funktioniert.

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