Deutschland im Mai 1945 war ein in jeder Beziehung zerstörtes Land. Circa 65 Millionen Menschen lebten in vier Besatzungszonen. Etwa 10 Millionen deutsche Kriegsgefangene kamen bis Ende 1946 nach Hause, über 12 Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten suchten Unterkunft und Versorgung, ungefähr 9 Millionen Deutsche waren ausgebombt, ohne Wohnung.
Straßenszene im Jüdischen DP-Camp Föhrenwald Die Siegermächte nahmen sich aber zunächst der Opfer des Nationalsozialismus und des von Deutschland angezettelten Krieges an: ca. 6,5 - 7 Mio. Gefangene, die aus KZ und Zwangsarbeiterlagern befreit wurden, die z.T. ziellos umherirrten oder völlig entkräftet in den Lagern ausharrten. Dies waren verschleppte Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, die als Zwangsarbeiter eingesetzt worden waren, verschleppte KZ-Insassen wie Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, die auch als Zwangsarbeiter eingesetzt worden waren. Diese Menschen wurden von den Vereinten Nationen als Displaced Persons, entheimatete [...]
Ausgabe Mai / Juni 2025 | Zeitenraum
Unter dem Titel „Die Dritte Generation“ zeigt das Jüdische Museum München eine Ausstellung über Strategien der Bewältigung und Auseinandersetzung mit dem Erbe des Holocaust.
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, in allen Lüften hallt es wie Geschrei. Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei und an den Küsten – liest man – steigt die Flut. Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen an Land, um dicke Dämme zu erdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken. Abbildung: Titelseite des Ausstellungskataloges An das Gedicht „Weltende“ des jüdischen, irgendwann zum Katholizismus konvertierten Dichters Jakob van Hoddis (Hans Davidsohn / 1887 – 1942) aus dem Jahre 1911, [...]