Es ist schon faszinierend, wenn Menschen, die Hunderte von Jahren vor uns gelebt haben, ihre Identität preisgeben. Wer schon einmal in das Antlitz der Hildegard von Egisheim, wohl Urgroßmutter des Staufers Friedrich Barbarossa, blicken konnte, wird von dessen Lebendigkeit beeindruckt sein. Eine Frau, die vor fast 1000 Jahren gestorben ist, zeigt uns ihr Gesicht. Erhalten hatte sich das durch eine Kalkschicht, mit der man die durch eine Seuche Hingeraffte abgedeckt hatte. Einen Blick in eine Zeit, die rund vierhundert Jahre zurückliegt, gewähren uns die Nürnberger „Pestleichen“.
Was für ein Glücksfall für die Forschung, als man im Herbst 2023 bei Aushubarbeiten für den Bau eines neuen Seniorenzentrums im Nürnberger Ortsteil St. Johannis auf rund 3000 Skelette stieß! Die C-14-Analyse (Altersbestimmung durch die Zerfallsrate des radioaktiven Kohlenstoffs) und schriftliche Quellen ließen eine eindeutige Datierung der sterblichen Überreste zu: Dieses große Sterben hatte in den Jahren 1632 bis 1634 stattgefunden. Nun sind die eigentlichen Grabungsarbeiten bereits seit einem Jahr abgeschlossen. Es war ganz sicher für die Archäologen eine mühsame Arbeit, dreitausend Skelette zu bergen. [...]