Ausgabe Januar / Februar 2024 | Portfolio

Starkonzert

Text: Wolf-Dietrich Weissbach
Achim Schollenberger. Seit 45 Jahren als Journalist in Sachen Wort und Bild tätig.
Achim Schollenberger. Seit 45 Jahren als Journalist in Sachen Wort und Bild tätig.

Sage einer, Vögel könnten nur Zwitschern, Krächzen, Tschilpen … gut manchmal klingt es ganz schön, aber Konzertsäle könnte man damit nicht füllen. Ähm, vielleicht weil sie viel zu eng sind für die hohen Ansprüche der gefiederten Freunde. Alljährlich im Herbst kann man jedenfalls die musikalischen Talente an Stromleitungen beobachten, die man sich dazu nur als Notenzeilen zu denken braucht. Auf den Bildern von Achim Schollenberger sieht man das ganz deutlich. Nicht nur, daß die Stars schwungvoll zum Konzert antreten, also die eitlen Solisten vorgestellt werden, gefolgt vom Ensemble mit einer leicht zurückhaltenden Arroganz. Dann folgen die Statisten, die froh sind, daß sie überhaupt teilnehmen dürfen. (Man sollte als Mensch übrigens nicht direkt unter den Leitungen den Beobachtungsposten beziehen – die Rache der Stare hat es in sich.) Dann der nicht endenwollende Applaus, bei dem das gesamte Orchester sich natürlich erhebt. Und schließlich – wir haben ein paar Szenen ausgelassen; sie können sie ohnehin nicht hören – der fulminante Abgang. Wenn das keine Musik ist! Klar fällt Ihnen als Bildungsbürger dazu ein Gedicht ein, das allerdings inhäusig, nicht in freier Natur aufgeführt wird:

Der Vorhang fällt, / das Stück ist aus / Und Herren und Damen gehen nach Haus, / Ob ihnen auch das Stück gefallen? / Ich glaub‘, ich hörte Beifall schallen. / Ein hochverehrtes Publikum / beklatschte dankbar seinen Dichter. / Jetzt aber ist das Haus so stumm, / Und sind verschwunden Lust und Lichter. / Doch horch! Ein schillernd schnöder Klang / Ertönt unfern der schnöden Bühne; / Vielleicht daß eine Saite sprang / An einer alten Violine. / Verdrießlich rascheln im Parterr‘ / Etwelche Ratten hin und her, / Und alles riecht nach ranz’gem Öle. / Die letzte Lampe ächzt und zischt / Verzweiflungsvoll, und sie erlischt. / Das arme Licht war meine Seele. (Heinrich Heine)

Sie dürfen ruhig in der Ichform rezitieren, schließlich haben Sie das Open-air-Konzert ja entdeckt. Also stellvertretend.

Starensemble Solisten
Starensemble Solisten

Ensemble
Ensemble

Ouvertüre
Ouvertüre

Statisten
Statisten

Applaus
Applaus

Abgang Abflug
Abgang Abflug

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