Ausgabe Mai / Juni 2019 | Blende 8

Gulliver in Liliput

Text + Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Das hat Lemuel Gulliver von der Seefahrerei: Schiffbruch. Und als wäre das nicht schlimm genug, wird der gutgläubige, etwas einfältige Große von einer Armee Kleiner gefangen, gefesselt, malträtiert. Wir nehmen das mal allegorisch, schließlich hat heutzutage wohl kaum noch jemand den utopisch-satirischen Reiseroman des irischen Schriftstellers und Politikers Jonathan Swift (1667-1745) parat; wer weiß schon noch genau, worum es in der 1843/44 auf Anregung des Sonneberger Kaufmanns Adolf Fleischmann plastisch umgesetzten Szene aus dem Roman „Gullivers Reisen“ tatsächlich geht. Nichts Nettes jedenfalls, denn Swift war als wenig menschenfreundlich bekannt und stand dem Vernunftsglauben der Aufklärung mehr als skeptisch gegenüber. Er betrachtete die Menschen allenfalls „zur Vernunft fähig“ (rationis capax).  Es handelt sich bei Gullivers Reisen um eine Veranschaulichung der Relativität aller menschlichen Werte, also etwa, daß alles nur vergleichsweise groß oder klein ist.

Jedenfalls sorgte selbst die hier ausgestellte Gulliver-Darstellung im 19. Jahrhundert für viel Aufsehen, beispielsweise auf der Londoner Weltausstellung 1851. Das ist durchaus etwas erstaunlich, schließlich findet sich im Bericht von Gullivers dritter Reise auch eine wenig schmeichlhafte Charakterisierung der Briten: Sie seien die „schädlichste Rasse von kleinem, abscheulichem Gewürm, der die Natur jemals erlaubt hat, auf der Erde herumzukriechen“. Da hat ein boshafter Ire sich wohl etwas von der Seele geredet bzw. geschrieben. Auf welche Gedanken einem doch das Spielzeugmuseum in Sonneberg bringen kann.

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