Ausgabe März / April 2019 | Kultur

Frauenpower beim Würzburger Mozartfest

Sind Frauen mehr kulturaffin als Männer? Fast möchte man es vermuten, wenn man den weiblichen Anteil von Konzertbesuchern vergleicht mit dem männlichen. Und doch werden meist ­Kulturinstitutionen von Männern geleitet.

Autor: Renate Freyeisen

Beim Würzburger Mozartfest ist das etwas anders. Da liegen künstlerische Gestaltung und geschäftliche Führung ganz in der Hand von Frauen. Ganz oben in der Verantwortung steht eine erfolgreiche Intendantin, deren Vertrag eben bis 2023 verlängert wurde: Evelyn Meining schaffte es, dem in der Region so wichtigen und fest verwurzelten Festival mehr internationales Profil zu verleihen. Ihr gelang durch intellektuellen Anspruch und mit extra entworfenen Programmen auch Interessierte von weit her anzulocken, dabei aber nie den Hausgott Mozart aus den Augen zu verlieren. Die andere Führungsposition des Mozartfestes nimmt die Geschäftsführerin ein: Katharina Strein ist verantwortlich für Organisation, Finanzierung, Personal und reibungslose Abläufe der Veranstaltungen, fungiert also eher im Hintergrund, orientiert an den Inhalten. Seit 2017 ist sie für das Würzburger Mozartfest tätig, das 2021 sein 100jähriges Jubiläum feiert und somit das älteste in Deutschland ist. Eine solche Dauer scheint ihr hohe Verpflichtung und ein Alleinstellungsmerkmal, denn das Festival ist quasi „kompakt“ auf die Stadt konzentriert, wobei die Residenz mit ihren prachtvollen Sälen so zu sagen als „DNA“ des Mozartfestes ein Gesamterlebnis mit besonderer Atmosphäre bietet. Strein, studierte Musikerin mit den Schwerpunkten Kontrabass, Klavier und Gesang, absolvierte außerdem ein Studium des Kulturmanagements, bekam so Einblick in wichtige betriebswirtschaftliche Bereiche für ein Musikfestival. Nach Stationen beim Beethovenfest Bonn, den Theatern in Mannheim und Stuttgart arbeitete sie von 2009 bis 2016 für die Philharmonie Essen. Ein Glücksfall, daß sie nun zusammen mit Evelyn Meining das Würzburger Mozartfest verantwortet: Die Intendantin plant die Programme, die Geschäftsführerin muß schauen, daß alles im finanziellen Gesamtrahmen bleibt. Das kleine, vorwiegend weibliche Personal-Team, das noch aufgestockt wird durch zwei Projektstellen anläßlich des bevorstehenden Jubiläums, funktioniert unter ihr bestens. Ebenso wie der so wichtige Draht zur Stadtverwaltung. Sie ist freundlich, aber auch beharrlich, wenn es gilt, Überzeugungen durchzusetzen.

Konzert im Kaisersaal der Würzburger Residenz

2019 stellt nun das Mozartfest einerseits die Frage, inwieweit Mozart ein Romantiker war, andererseits setzt es einen Schwerpunkt auf das Thema „Frauen in der Kunst“. Anlaß ist der 200. Geburtstag von Clara Schumann, zu ihrer Zeit gefeierte Mozart-Interpretin und Star der romantischen Klaviermusik. Drei große Konzertabende mit weiblicher Interpretation spüren der Beziehung zwischen Mozart und Clara Schumann nach.

Clara Schumann im Fokus

Die war eine starke Persönlichkeit, herausragende Pianistin, Komponistin und Unternehmerin. Gegen den Widerstand ihres Vaters heiratete sie den Komponisten Robert Schumann, revolutionierte die Technik des Klavierspiels, setzte gegen den Willen ihres Ehemanns ihre Karriere fort und unterhielt mit ihren hohen Honoraren die Familie auch nach dem Tod ihres Gatten. Mit den Komponisten Johannes Brahms und dem weniger bekannten Theodor Kirchner hatte sie Liebesaffären. Ragna Schirmer stellt am 29.5. Klavierwerke vor, die das Repertoire und die Vorlieben Claras wiedergeben. Am 30.5. spielt Lise de la Salle zusammen mit dem Münchner Kammerorchester Claras einziges Klavierkonzert, stellt es in den Bezug zu Mozarts Klavierkonzert Nr. 20, zu dem Clara Kadenzen schrieb. Am 13.6. wird Claras Liebe zur Liedkunst in Bearbeitungen der Originalwerke durch Aribert Reimann betont, wenn Anna Lucia Richter zusammen mit dem Schumann-Quartett Gesänge der Komponistin sowie von Brahms, Robert Schumann und Kirchner vorträgt. Das einzige Klaviertrio der Komponistin erklingt am 16.6. in einer Matinee mit dem Busch-Trio.

… und Werke von Unsuk Chin

Eine weitere Frau steht im Mittelpunkt des Mozartfestes 2019, die in Berlin lebende Komponistin Unsuk Chin aus Korea. Sie wirkt mit als Dozentin beim MozartLabor in Himmelspforten, wo sie sich bei ihrem Porträtkonzert am 8.6. mit einem Kosmologen unterhält, und beim MozartLabor-Abschlußkonzert am 11.6. erklingen ihre Klavieretuden, die an die Interpreten große Herausforderungen stellen. Zu ihrer 2007 uraufgeführten Oper „Alice in Wonderland“, gerühmt als komplexe Musik mit vielen Klangfarben, schieb sie für Würzburg eine Uraufführung, eine Suite für Sopran und Ensemble, die am 10.6. zusammen mit Mozarts großer g-Moll-Sinfonie zu hören ist von der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Und nochmals ein Werk von Chin, „Double Bird“ für Violine und Elektronik bei  „Nachklänge im Echoraum“ am 14.6. – Frauenpower pur beim Mozartfest!

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