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Ausgabe Juli / August 2020 | Wirtschaft

Ein echter Local Player

Hätte die Nürnberger WBG KOMMUNAL das Projekt des Flughafens Berlin-Brandenburg realisiert, dann wäre dessen geplante Fertigstellung zum November 2011 sicher punktgenau gelungen. – Na gut! Bleiben wir auf dem Boden. Kapazitäten, um ein derartiges Mammutprojekt in Angriff zu nehmen, die hat die WBG K nun wirklich nicht. Aber alle Bauvorhaben, die sie bislang angepackt hat, die konnten im Gegensatz zum BER innerhalb eines festgelegten Kostenrahmens und – wie man neudeutsch sagt – „just in time“ abgewickelt werden. Anläßlich ihres 10jährigen Bestehens kann diese Tochtergesellschaft der wbg Nürnberg darauf zurecht mit Stolz zurückblicken.

Autor: Gunda Krüdener-Ackermann | Fotos: Wolfgang Schmitt
Kinder- und Jugendhaus in der Pastoriusstraße

WBG KOMMUNAL? Den Menschen der Metropolregion Nürnberg ist vor allem die wbg Nürnberg als sog. Wohnungsbaugesellschaft bekannt, die seit über hundert Jahren vor Ort bezahlbare „LebensRäume gestaltet“, wie der Werbeslogan verspricht. Hierbei auf einen verläßlichen Partner zählen zu können, bewährte sich für die Stadt Nürnberg vor allem in Krisenzeiten. 1918, mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, dem Gründungsjahr der wbg, sollten auch Jahre später etwa mit der Stunde Null von 1945 gewaltige Herausforderungen auf den örtlichen Wohnungsbau und somit auf die wbg zurollen. Man denke nur an den immensen Zustrom von Flüchtlingen aus dem Osten. Eine Antwort darauf war u. a. der neue Nürnberger Stadtteil Langwasser. Inzwischen hat sich die wbg zu einem modernen regionalen Immobilienunternehmen gemausert, das den Mief von Sozialwohnungen hinter sich gelassen hat, ohne dabei die gesellschaftliche Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum aus den Augen zu verlieren. Denn immer noch müssen in und um Nürnberg viele neue Wohnungen entstehen, da die Stadt attraktiv ist und sich ungebremsten Zuzugs erfreut. Nicht allein, daß hier in den letzten zehn Jahren 40 000 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Auch in Sachen Kultur, Freizeit etc. ist Nürnberg ein attraktives sog. Oberzentrum. Verglichen mit anderen bayerischen Städten wie Augsburg, Ingolstadt, Erlangen – ganz zu schweigen von München – ist Wohnen in der Frankenmetropole immer noch bezahlbar. Ein großes Verdienst – gerade auch der wbg.

Öffentlich-öffentliche Partnerschaft

Die langjährigen guten Erfahrungen der Stadt Nürnberg mit der wbg als Partner im Wohnungsbau haben schließlich zur Gründung der WBG KOMMUNAL geführt. Ihre Aufgabe sollte es sein, der Stadt bei der Realisierung öffentlicher Bauprojekte zu helfen. Auch dafür gab letztlich eine Krise die Initialzündung. Als Reaktion auf das internationale Finanzdebakel von 2006 beschloß die Bundesregierung im folgenden Jahr das Konjunkturpaket II zur Sicherung von Arbeitsplätzen, zur Stärkung des Wachstums und zur Modernisierung des Landes. Im Blick hatte man hier vor allem die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude. Eine gute Idee wie die Stadt Nürnberg fand. Sie bewarb sich im Rahmen dieses Programms mit mehr als 30 Projekten um die Vergabe von rund 35 Millionen Euro. Wer konnte denn ahnen, daß der Bund alle Projekte genehmigen würde?! Der Haken dabei: Die Fördergelder mußten bis zum Jahresende 2011 abgerufen, sprich „verbraten“ sein. Das Hochbauamt der Stadt konnte das nicht alles alleine schaff en. So kam man auf die Idee, bei der wbg anzufragen. Besonders bedacht werden mußten die vergabe- und finanzrechtlichen Regelungen der Sparte öffentliche Bauten, für die ein anderes Unternehmensmodell erforderlich war. Entstanden ist eine Inhouse-Gesellschaft der Stadt Nürnberg mit eigener Geschäftsführung und Aufsichtsrat: die WBG KOMMUNAL GmbH. Deren Anfänge waren durchaus bescheiden. Damals gerade mal fünf Mitarbeiter krempelten die Ärmel hoch und legten los. Mit fünfzehn Projekten startete die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. Was damals für die von den baulichen Maßnahmen direkt Betroffenen völlig neu war: Sie wurden von der WBG K nach ihren konkreten Wünschen gefragt. Denn wer weiß denn besser als etwa eine Schulleiterin / ein Schulleiter vor Ort, was für die Schule erforderlich ist?! Bis Ende 2011 war das erste vorgegebene Ziel erreicht: Zehn Schulgebäude, drei weitere Bildungseinrichtungen und zwei Verwaltungsgebäude waren energetisch saniert. Die WBG KOMMUNAL hatte ihre ersten Herausforderungen mit Bravour bestanden.

Hort der Friedrich-Hegel-Schule in der Neue Hegelstraße 17.
Kinder- und Jugendhaus in der Pastoriusstraße.

Mit dem Datum 1. August 2013 jedoch drohte den Kommunen neues Ungemach. Für den Bund war es beschlossene Sache: Von diesem Stichtag an hatte jedes Kind im Lande einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Für die WBG K hieß das: Innerhalb von zwei Jahren waren vier Kindertagesstätten, ein Jugendhaus und ein Aktivspielplatz zu bauen. Auch in diesen Fällen wurden alle Bauten im Zeitplan und im Budgetrahmen fertig. Und so kamen zu weiteren Projekten der Baubetreuung auch der Neubau von Schulen hinzu. Für bisher drei Schulen wurden Vereinbarungen für eine sog. öffentlich-öffentliche Partnerschaft (ÖÖP) geschlossen. Dies bedeutet, daß nicht nur die Projektsteuerung, sondern darüber hinaus auch deren Bewirtschaftung für 25 Jahre übernommen wurde. Von nun an kümmert sich die WBG K auch um die Reinigung, das Catering, Wachdienste, schlicht um alles, was man heute unter Facility Management versteht.

Feuerwehren Six-Packs

Zwischenzeitlich ist das Unternehmen auf 25 Mitarbeiter angewachsen, Tendenz steigend. Leider ist es derzeit schwierig, alle off enen Stellen zu besetzen. Nach dem der Corona-Krise vorangegangenen Bauboom sind Architekten, Bauingenieure etc. vor allem solche mit spezifi schen, langjährigen Projekterfahrungen rar gesät. Wobei die WBG K als Arbeitgeber durchaus attraktiv ist, ist sie doch darauf bedacht, ihre Mitarbeiter nicht nur projektbezogen zu „hire-n“ und dann wieder zu „fi re-n“. Nein, wer hier landet, der hat einen sicheren Arbeitsplatz- und das bei vielfältigen und abwechslungsreichen Aufträgen.

Fast kann man sagen, daß die WBG K seit 2010 überall dort einspringt, wo es im kommunalen Bauwesen brennt. Im wahrsten Sinne des Wortes, als 2015 die Turnhalle der Gretel-Bergmann-Schule in der Zugspitzstraße in Flammen aufging. Aber Wiederaufbau war hier nicht genug; gleichzeitig galt es vorausschauend, künftige Erweiterungsbauten mit einzuplanen. Gebaut wurde dabei auch mit viel Liebe zum Detail. Eine pfiffige Idee ist es etwa, wenn sich in der Farbfolge der Holzstreben an der Außenfassade die Notenfolge eines bekannten Kinderliedes widerspiegelt.

Damit bei derartigen Bränden die Löschzüge auch flott ausrücken können, müssen die Standorte für eine leistungsstarke Feuerwehr optimal ausgestattet sein. Somit die nächste Herausforderung für die WBG K: Achtzehn Wachen der Freiwilligen Feuerwehr gilt es derzeit auf den neuesten Stand zu bringen. Egal ob durch Sanierung, Erweiterung oder ob sogar ein völlig neues Gebäude vorgesehen ist. Angepackt wird diese logistische Herausforderung derzeit Stück für Stück – dreimal im Sechser-Paket. Das erste erneuerte „Six-Pack“ wird bereits Ende 2021 voll einsatzbereit sein.

Auch im Sport kann es im wahrsten Sinne des Wortes brennen. Wenn etwa leistungsstarke Athleten mangels Sporthallen nicht adäquat gefördert werden können. Für Taekwondo-Begeisterte sind diese Zeiten endgültig vorbei. Anfang 2019 wurde unter Federführung der WBG K in Nürnberg eine Taekwondo-Halle gebaut. Das klingt zunächst völlig unspektakulär. Wenn aber klar wird, daß durch diesen Neubau von nun an der Bundesstützpunkt Taekwondo hier verortet ist, sich hier gewesene und zukünftige Weltmeister und Olympioniken für ihre Wettkämpfe fi t machen, dann ist das eine andere Hausnummer. In Zusammenarbeit mit der deutschen Taekwondo-Union entstand somit in Nürnberg ein super-modernes Zentrum, das keine Wünsche offen läßt.

Pakt für Bildung und Teilhabe

Und die Frankenmetropole legt nach. Es kann nicht sein, daß die erfolgreichen Nürnberger Basketballer keine Lizenz für die 1. Liga erhalten, nur weil es ihnen an der entsprechenden Location mangelt. Und wie nicht anders zu erwarten: die WBG K wurde von der Stadt damit beauftragt, eine multifunktionale Sporthalle am Tillypark zu erstellen. 4 000 Zuschauer – und das auch für kulturelle Veranstaltungen – soll sie fassen. In jedem Fall können sich Nürnbergs Basketballer, die Falcons, in Zukunft damit sehen lassen.

Bertolt-Brecht-Schule in der Karl-Schönleben-Straße.

Unverzichtbar ist die WBG K für die Stadt Nürnberg insbesondere auch für den vom Stadtrat beschlossenen Pakt für Bildung und Teilhabe. Seit einiger Zeit wird in Nürnberg an der Umsetzung gearbeitet, für das Kostbarste, was eine Gesellschaft hat, die heranwachsenden Menschen. Rund 700 Millionen Euro Investitionsvolumen sind hier mittelfristig geplant. Mit Hilfe der WBG K kann die Stadt ihre Projekte dazu zügig in die Tat umsetzen. Bereits fertig sind die Michael-Ende-Schule und die neue Gretel-Bergmann-Schule. Auch diese Schulen waren zweifelsfrei weitere Empfehlungen für die WBG K. Somit geht es weiter: Für das größte Projekt, die neue Bertolt- Brecht-Schule, wurde bereits 2019 der Grundstein gelegt, 2022 sollen die Erweiterung und Sanierung des Neuen Gymnasiums Nürnberg beginnen wie auch die Bauarbeiten für den Neubau des Martin-Behaim- Gymnasiums. Übrigens, darauf kann man stolz sein: Am Wettbewerb um das letztgenannte Objekt hat sich auch das Berliner Büro des Star-Architekten David Chipperfield (Neues Museum, Berlin) beteiligt. Insgesamt stehen derzeit zweiundzwanzig weitere Kinder-, Jugend- und Bildungseinrichtungen an, die entweder abgerissen und neu gebaut, weiterentwickelt oder saniert werden müssen. Ein riesiges Auftragsvolumen für die WBG K – obgleich, das muß man anmerken – dies immer noch nicht die Dimensionen eines Flughafens BER erreicht. Aber immerhin – hier in Nürnberg werden aus heutiger Sicht all diese Projekte wie gewohnt „just in time“ beziehbar sein. Fehlen nur noch, wie überall im Lande, die Erzieher, die Lehrer … Damit kann die WBG K allerdings (bisher noch) nicht dienen.

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