Stadt.Landschaft.Natur
Neue Entdeckungen in Rothenburg ob der Tauber und in seiner Umgebung. Das Themenjahr 2026 verbindet Stadt- und Naturerlebnisse auf neue Weise. Ohne die umgebenden Landschaften und Naturräume ist die Stadt nicht zu verstehen – eine neue, kostenlos bestellbare Broschüre bündelt zahlreiche Entdeckerangebote. Der Rothenburger Weg im RothenburgMuseum hilft darüber hinaus zu verstehen, wie die Stadt ins Bild kam und daraus Rothenburgs Stadtbild wurde.
Text: Jörg Christöphler

Wohl kaum eine Stadt in Deutschland hat sich seit ihrer Gründung im 12. Jahrhundert als Siedlung an einer Kaiserburg ihr prägnantes Erscheinungsbild bewahren können wie Rothenburg ob der Tauber. Ein Erscheinungsbild, das im Zuge mehrerer Stadterweiterungen stets geprägt bleibt von der Lage auf einer Anhöhe weit oberhalb der Tauber. „Ob der Tauber” macht einen gewichtigen Unterschied aus, denn das „ob” markiert eine Brücke von der in zwei Stadterweiterungen gewachsenen Stadtlandschaft zu einer die Stadt einhegenden Natur- und Kulturlandschaft.
Landschafts- und Stadtbild verschmelzen hier seit jeher zu einem gemeinsamen Wahrnehmungsraum. Stadtansichten der Frühen Neuzeit (Matthäus Merian) bis zur Moderne bestätigen das: Stets wird Rothenburg ob der Tauber als Urbild einer Stadt schlechthin dargestellt, als „Fränkisches Jerusalem” (so 1556 Caspar Bruschius) bis hin zur deutschen (Friedrich Schönleber) oder gar südlichen Stadt (Martin Monnickendam). Wer sich mehr für die Bildwerdung und Bildhaftigkeit der Stadt interessiert, wird im RothenburgMuseum fündig werden – die Ausstellung „Rothenburger Weg” zeigt, wie die Stadt ins Bild kam und nach 1945 die Stadt aus dem Bild auch wieder erstand. Rothenburg ob der Tauber ist somit weit mehr als eine mittelalterliche Stadt mit weltberühmter Silhouette – sie ist eine Stadtlandschaft, ein gewachsenes Gesamtkunstwerk aus Kultur, Geschichte und Natur. Bereits im 19. Jahrhundert entdeckten Maler, Schriftsteller und Architekten die malerischen Qualitäten der Stadt: der Verlauf der Stadtmauer entlang der Firstkanten des Felssporns hoch oberhalb der Tauber, dem lebendigen Wechselspiel von Mauern und Gärten, von Türmen und Talauen. Diese wechselseitige Bezogenheit von Stadt und Landschaft machte Rothenburg zum Inbegriff eines „Landschaftsgartens” – eine Wahrnehmung, die Anfang des 20. Jahrhunderts englische Gartenstadtplaner verbreiteten und nach dem Muster Rothenburgs in Hampstead Garden Suburb (London) umsetzten. 2026, mit dem Themenjahr „Rothenburg – Stadt.Landschaft.Natur”, wird der Gedanke eines Landschaftsgartens aktiv weitergeführt: hin zum Erleben der Natur um die Stadt. Wälder, Wiesen, Weinberge und Mühlkanäle bilden die grüne Bühne vor dem historischen Panorama. Naturparkranger, Winzer, Förster, Märchenerzähler und Vereine laden ein, diese Vielfalt zu entdecken – in Führungen, Spaziergängen und Erlebnissen, die zeigen, wie eng Kultur und Natur hier verwoben sind. Rothenburg bleibt ein Ort, an dem Stadt und Landschaft in Harmonie zusammenspielen – ein Naturparadies mit viel Geschichte und malerischer Schönheit.


