Ausgabe September / Oktober 2017 | Portfolio

Transformers – Zauberhafte Höllenmaschinen

Autobots, Decepticons, Maschinen vom Planeten Cyberton in Stadt und Land - Gedichte von berühmten Autoren und Autorinnen und Fotografien (Die Serie wird fortgesetzt - Beitrag wurde für die Website überarbeitet.))

Text: Wolf-Dietrich Weissbach | Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Der Verdacht, daß es sich bei den riesigen, so gar nicht glatten Metallmonstern, die sich zunehmend in unserer Welt, in den Städten, den Wäldern, auf den Straßen, und vor allem „ungezogen“ aufführen, in Wahrheit um die Autobots und Decepticons vom Planeten Cyberton handelt, die ihren vor über 100 Jahren bei uns gelandeten Urvater Allsparks suchen, läßt sich kaum mehr von der Hand weisen. Man braucht sich übrigens bloß im Unterholz, in der Kanalisation oder in öffentlichen Toiletten zu verstecken, um ihnen auf die Schliche zu kommen. Sobald sie sich nämlich unbeobachtet wähnen, verwandeln (deshalb heißen sie auch Transformers) sie sich oft sogar in menschenähnliche Wesen, die mit Mühe vielleicht noch an den vielen Tätowierungen, mit denen sie Stromanschlüsse, Schrauben, USB-Steckdosen, Schalter für ihre Computerhirne oder ähnliches verbergen, zu erkennen sind. Welche Gefahren dadurch für uns Biomenschen entstehen, hat übrigens Stansilaw Lem in seinen Sterntagebüchern, im Kapitel „Die Waschmaschinenkatastrophe“ beschrieben. (Ganz nebenbei: Uns sollte zu denken geben, daß Lem 2006, etwa ein Jahr, bevor wir erstmals von den Transformers erfuhren, verstorben ist.) Lem berichtet, wie Waschmaschinen, zunächst immer mehr Haushaltstätigkeiten übernehmen, am Ende aber sich in Politiker verwandeln und im Parlament versuchen, die Gesetzgebung zu bestimmen. Die angefügten Gedichte haben übrigens nichts mit den Bildern zu tun, sie sind einfach nur toll.

Die Dämmerung (von Alfred Lichtenstein) // Ein dicker Junge spielt mit einem Teich. / Der Wind hat sich in einem Baum gefangen. / Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich, / Als wäre ihm die Schminke ausgegangen. // Auf lange Krücken schief herabgedrückt / Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme. / Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt. / Ein Pferdchen stolpert über eine Dame. // An einem Fenster klebt ein fetter Mann. / Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen. / Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an. / Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.

 

Weltende (von Jakob van Hoddis) // Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, / in allen Lüften hallt es wie Geschrei, / Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei / und an den Küsten – liest man – steigt die Flut. // Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen / an Land, um dicke Dämme zu erdrücken. / Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. / Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

 

Nun kommt der schreckliche taifun (von H.C.Artmann) //  Nun kommt der /  schreckliche taifun, / chinesen stürzen / aus den betten, / man hört auch / europäer muhn, / ein jeder will / sein leben retten. / Der sturmwind biegt / den mangobaum, / es fliegen flöten, / clarinetten, / delphine schweben / wie im traum, / der orang utan / spengt die ketten. / Ein schatten flitzt / fassadentlang / er weht vor sich / zwölf nofreteten, / durch küch und keller / dringt sein sang, / in flutterzinen, / rauchsonetten. / Der luftzug stört / die yacht beim landen, / aus kirchen qualmen / cigaretten, / ein altes bankhaus / kommt abhanden, / aus tanzbars purzeln / omeletten, / ein kartenturm / geht flott zu schanden, / die nacht fällt / gelblich auf manhattan.

 

Mein schönstes Gedicht (von Masha Kaléko) // Mein schönstes Gedicht? / Ich schrieb es nicht. / Aus tiefsten Tiefen stieg es. / Ich schwieg es.

 

Die Zeichen (von Alfred Lichtenstein) // Die Stunde rückt vor. / Der Maulwurf zieht um. / Der Mond tritt wütend hervor. / Das Meer stürzt um. / Das Kind wird Greis. / Die Tiere beten und flehen. / Den Bäumen ist der Boden unter den Füßen zu heiß. / Der Verstand bleibt stehen. / Die Straße stirbt ab. / Die stinkende Sonne sticht. / Die Luft wird knapp. / Das Herz zerbricht. / Der Hund hält erschrocken den Mund. / Der Himmel liegt auf der falschen Seite. / Den Sternen wird das Treiben zu bunt. / Die Autos suchen das Weite.

 

Von Heinrich Heine // Laß die heiligen Parabolen, / laß die frommen Hypothesen / Suche die verdammten Fragen / Ohne Umschweif uns zu lösen. / Warum schleppt sich blutend, elend, / Unter Kreuzlast der Gerechte, / Während glücklich als ein Sieger / Trabt auf hohem Roß der Schlechte? / Woran liegt die Schuld? Ist etwa / unser Herr nicht ganz allmächtig? / Oder treibt er selbst den Unfug? / Ach, das wäre niederträchtig. / Also fragen wir beständig, / Bis man uns mit einer Handvoll / Erde endlich stopft die Mäuler.

 

Weltende (von Else Lasker-Schüler) // Es ist ein Weinen in der Welt, / als ob der liebe Gott gestorben wär, / und der bleierne Schatten, der niederfällt, / lastet grabesschwer. // Komm, wir wollen uns näher verbergen … / Das Leben liegt in allen Herzen / wie in Särgen. // Du, wir wollen uns tief küssen … / Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, / an der wir sterben müssen.

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