Ausgabe Juli / August 2010 | Adel

Wo Neptun unter Linden liegt

Auf dem Schwanberg wird der im frühen 20. Jahrhundert angelegte Schloßpark vor dem Verfall gerettet.

Text: Bärbel Faschingbauer | Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach
Ein Park, den es zu entdecken gilt.

Komm‘ in den totgesagten Park und schau …“ Wer sich in den letzten Jahren auf den Weg durch den Schloßpark Schwanberg gemacht hat, dem mag Stefan Georges Gedicht in den Sinn gekommen sein. Verwildert, verwunschen, in weiten Teilen sich selbst überlassen, so präsentierte sich der Park über viele Jahrzehnte hinweg. Nur wenige wissen, daß auf der Hochfläche ein wichtiges Zeugnis der Gartenkunst schlummert. Dieses zu bewahren und für die nächsten Generationen wieder erlebbar zu machen, hat sich das Geistliche Zentrum Schwanberg e. V. vorgenommen. Der Verein betreibt auf dem Schwanberg gemeinsam mit den Ordensschwestern der Communität Casteller Ring ein Tagungs- und Bildungszentrum. „Zwar gehört die Pflege eines historischen Parks nicht unbedingt zu unseren originären Aufgaben, aber wir haben uns dieser Verantwortung bewußt gestellt“, sagt der Geschäftsführer des Geistlichen Zentrums, Christian Klose. So übernahm der Verein nach dem Tod des letzten Besitzers, Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen im Jahr 2004 nicht nur das Schloß und die Tagungsgebäude, sondern auch den Park. Wohl wissend, daß dieses Kleinod der Gartenkunst zunächst mehr Belastung als Bereicherung sein würde. Dessen Zustand ließ befürchten, daß die historischen Strukturen bald völlig verschwunden sein könnten. Wegeverläufe waren verändert, Sträucher hatten offene Platzflächen erobert und Wiesen waren zu Wald geworden. Deshalb war der erste Schritt die Beauftragung eines Parkpflegewerkes. Darin wurde die Geschichte und die Gestaltung des Parks untersucht und in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpfl ege für jeden einzelnen Abschnitt jeweils festgelegt, welche Maßnahmen zum Erhalt notwendig wären. Auf einem Spaziergang durch den Schloßpark Schwanberg wird schnell deutlich, daß dies keine leichte Aufgabe ist.

Der Park wurde 1919 bis 1921 von Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausenangelegt, der in erster Ehe mit Ottilie von Faber verheiratet gewesen war. 1911 hatte er das Schloß und die angrenzenden Wald und Wiesenflächen gekauft. Nordöstlich des Schlosses entstand damals ein Park, der ganz dem Stil seiner Zeit entsprach. Der innere Teil der acht Hektar großen Anlage ist streng formal mit schnurgeraden Wegen und geometrisch geformten Plätzen gestaltet. Eine dominierende Hauptachse, die als Lindenallee angelegt ist, durchzieht den Park in seiner gesamten Länge. Außen folgt ein weicher Übergang in die umgebende Landschaft. „Zwar wird es nicht möglich und auch nicht sinnvoll sein, alle Parkteile wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, doch die charakteristische Gestaltungsabsicht soll wieder erkennbar werden“, sagt Christian Klose. So werden die Besucher den Park in absehbarer Zeit wieder durch den Haupteingang betreten und die genau inszenierte Abfolge der Blickrichtungen deutlich erkennen. Sie empfängt zunächst das sanft gewölbte Dach der Lindenallee, die hier ihren Ausgangspunkt hat. Sie öffnet sich in ihrem Verlauf in einem Rondell, dessen einstmals streng geometrisch geformte Pflanzflächen und exakt begrenzten Wege heute kaum mehr auszumachen sind. Noch im Sommer 2010 soll der Platz seine historische Form zurück bekommen. „Seit Mai 2010 ist auch der Mittelpunkt des Schloßparks wieder angemessen gestaltet“, freut sich Geschäftsführer Klose. Schon immer war der Neptunbrunnen ein Anziehungspunkt für die vielen Gäste. Doch in den letzten Jahren bot sich nur noch ein trauriges Bild: Das Becken marode, eine Neptunfigur ohne Dreizack und wild wucherndes Gestrüpp.

Heute erstrahlt der Platz in neuem Glanz, Neptun hat seinen Dreizack wieder und wacht über das neu gestaltete Becken mit den sprudelnden Wasserquellen. Wasser-, Wege und Rasenfl ächen sind in ihre historischen Linien zurückgekehrt. Auch die Begrenzungen des Platzes kommen wieder zur Geltung: im Norden die Mauer, als Aussichtsbalkon in die Landschaft geplant. Im Süden die Pergola aus Sandsteinquadern des Schwanbergs. Als Schlußpunkt der großen Achse ist in der Ferne das rote Dach eines kleinen Bauwerkes zu erkennen. Hier hat Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen einen runden Säulenbau als Mausoleum errichten lassen, wo der Graf, seine Frau und sein Sohn Radulf ihre letzte Ruhe gefunden haben. Erst im hinteren Drittel des Parks öffnet sich die Baumreihe und läßt den Besucher ins Licht vor eine große Wiesenfläche treten. Nicht nur der innere, formale Teil ist sorgfältig gestaltet. Auch der äußere Bereich ist alles andere als nur ein gewöhnlicher Waldweg: Schmale gewundene Pfade, offene Wiesenflächen, die in waldartige Bereiche übergehen, markante Baumgruppen, ein kleiner See, der einst dem gräflichen Badevergnügen diente und eine Aussichtskanzel laden zum abwechslungsreichen Spaziergang ein. Leider wachsen auch in einem Schloßpark wie dem zu Castell die finanziellen Mittel nicht aus dem Boden. Dank der Unterstützung der Denkmalpflege, des EU-Förderprogramms Leader und vieler Spenden ist es gelungen, die wichtigsten Teile des Parks wieder zum Leben zu erwecken. Mit einer ausführlichen Broschüre zum Park und einem ganzjährigen Veranstaltungsprogramm möchte das Geistliche Zentrum möglichst vielen Gästen den Zauber des Schloßparks spüren lassen und gleichzeitig das Gartendenkmal lebendig erhalten.

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