Ausgabe September / Oktober 2021 | Blende 8

Letzte Ruhestätte

Text + Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Letzte Ruhestätte

Ein besonderer Mensch war Bodo Vogel auf jeden Fall. Ein Original eben, wie es sie vor allem wohl in kleineren Städten gibt. Umrankt von Gerüchten, in seinem Falle etwa, daß er mit Kanonen und Militaria aller Art bis hin zu Panzern gehandelt habe. Ganz offensichtlich hatte Bodo Vogel aber noch eine andere Seite, sagen wir: eine spirituelle. Jedenfalls sofern es seine Familie und besonders seine Mutter betraf. Irgendwann muß Oma Ilse, wie sie Bodos Sohn Markus Vogel, nennt, geäußert haben, daß sie einmal nicht mit Erde bedeckt werden wollte. Ob das etwas damit zu tun hat, daß sie aus einer Gärtnerei stammte, kann Markus Vogel, der beim Tod seiner Oma sechs Jahre alt war, heute ist er Stadtrat in Langenzenn, wohl auch nur vermuten. Wie auch immer: sein Vater erfüllte den Wunsch der Mutter und entwarf eine innen bemalte Gruft von beachtlichen Ausmaßen (drei Meter breit, drei lang und fast vier Meter tief – eineinhalb Meter übererdig) für insgesamt neun Särge und eine Gebeintruhe aus Bronze. 

Für den Deckel, der von Bildhauern geschaffen wurde, hatte er sich die Vorbilder auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg abgeguckt; allerdings wurde der Deckel, auf dem seine eigener Name stand, nicht schon beim Tod der Mutter (1986) aufgesetzt, sondern im Garten des Familienanwesens zwischengelagert. Die Gruft baulich zu vervollständigen oblag Sohn Markus. Der 20 Tonnen schwere Sandsteindeckel mußte 2015, als Bodo Vogel – in Langenzenn „Panzer-Bodo“ – verstorben war, mit einem riesigen Baukran aufgesetzt werden. Die Oma wurde jedenfalls nicht mit Erde bedeckt. 

Die Gruft der Familie Vogel auf dem Friedhof zählt – und das ist nicht despektierlich gemeint – inzwischen zu Langenzenns Sehenswürdigkeiten. Für Markus Vogel ist klar, daß darin auch seine letzte Ruhestätte einmal sein wird. Und er geht davon aus, daß auch seine drei Kinder, wie er sich, hier ihrer Vorfahren versichern werden. ❚ wdw

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