Ausgabe September / Oktober 2022 | Essen & Trinken

Hendl und Helles!

Das Gasthaus „Zum Fröschbrunna“ in Kronach ist eine wahre Oase der Gemütlichkeit – findet jedenfalls unsere Autorin. In den hellen Gasträumen und auf der urigen Terrasse des über 200 Jahre alten Familienbetriebs kann man typisch fränkische (Bio)-Küche genießen. Und auf Nachhaltigkeit wird hier auch großer Wert gelegt.

Text: Sabine Raithel | Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Mal ehrlich: was gibt’s Schöneres, als im Spätsommer mit Freunden oder dem Liebsten in einem lauschigen Biergarten zu sitzen? Biergarten-Saison – das ist eine fünfte Jahreszeit in Franken, die kontinuierlich kleine Glücksgefühle erzeugt: wenn die Sonnenstrahlen durch die Blätter der Bäume fallen, wenn das frisch gezapfte Bier im leicht beschlagenen Krug perlt, die Bedienung mit Schwung und fröhlichem Lächeln einen Teller mit frisch gerührtem „Weißem Käs“ und köstlich duftendem Bauernbrot kredenzt und wenn an den Tischen beherzte Geselligkeit herrscht. 

Zum Fröschbrunna
Das Gasthaus „Zum Fröschbrunna“ in Kronach ist eine wahre Oase der Gemütlichkeit

Laut Bayerischer Biergartenverordnung werden Biergärten „als Ausdruck bayerischer Lebensart angesehen“ – ob es die auch jenseits der Landesgrenzen geben kann, dazu schweigt das Reglement. Insbesondere im Norden Frankens sind sie eher Mangelware. Das Wetter ist hier halt doch etwas rauer, als im Süden. Der „Fröschbrunna“ gehört zu den handverlesenen Gasthäusern, die beides bieten: hübsche Gasträume und einen idyllischen Biergarten. 

Einst war der „Fröschbrunna“ einer der vier Fronhöfe der Festung Rosenberg. Über 200 Jahre ist der Betrieb in Besitz der Familie Hanna und hat sich schon früh als erste Saiblingszucht Bayerns einen Namen gemacht. „Fröschbrunn“ hat übrigens nichts mit Fröschen zu tun, auch wenn die Inhaber gerne mit dem Wortspiel werben. Der Name stammt vielmehr aus dem Althochdeutschen und bedeutet soviel wie „frischer Brunnen“. Seit mehr als 30 Jahren betreiben Karin und Herbert Hanna das Anwesen. Aus dem landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchviehhaltung und Schweinezucht haben sie mit viel Fleiß, Engagement und Kreativität ein Musterbeispiel für zeitgemäße fränkische Gastlichkeit geschaffen. Das heißt: urige Gemütlichkeit und handwerkliche Qualität gepaart mit Nachhaltigkeit.

… Hähnchen mit Eierbrüh’ …

Patronin Karin Hanna
Patronin Karin Hanna

Zu den typischen Lieblingsgerichten der Gäste gehören die Bauernpfanne mit rotem Pressack, Bratkartoffeln und Röstzwiebeln; der „Weiße Käs“ – eine cremig gerührte Quarkspezialität; die verschiedenen, traditionell in der Röhre langsam geschmorten Braten wie der vom Angusrind mit Kloß; saftige Schnitzel mit Kartoffelsalat und das fast schon legendäre Backhendl. Trendbewußt geben sich die Hannas bei ihren beliebten Burgern aus Bio-Hähnchenfleisch. Und nachmittags verführt der Fröschbrunna mit selbstgebackenen Torten und Kuchen.

In der Küche von Karin Hanna wird alles frisch zubereitet. „Mit viel Liebe“, wie sie sagt. Convenience-Produkte, Fertigsaucen oder industrielle Gewürzmischungen sucht man hier schon gar nicht erst. Zum Würzen verwendet die Patronin und Küchenchefin vorwiegend Kräuter aus dem eigenen Garten und eigene Gewürzkreationen. Und die geben auch ihrem Backhendl das unvergleichliche gewisse Etwas. Die leuchtend blaue Borretschblüte auf dem Salat gehört zur Handschrift der gelernten Hauswirtschaftsmeisterin. Das Fleisch kommt aus der Region, Hähnchen und Angusrind aus der eigenen Bio-Zucht. Verwertet wird bei Karin Hanna alles vom Tier. „Das hat etwas mit Respekt vor dem Lebewesen zu tun“, unterstreicht sie. Und deshalb stehen dann auch immer wieder Gerichte wie Hühnerragout, Hähnchen mit Eierbrüh’, Rinderzunge oder saure Rinderherzen auf der Karte. Und auch bei den Getränken setzen die Hannas auf Regionalität: Die Bio-Weiße wird von der Brauerei Trunk aus Vierzehnheiligen, das Pils von der Kronacher Gampert-Bräu, der Bio-Wein vom Weingut Marienhof aus Volkach und der Saft von der Kulmbacher Kelterei Plassenburg geliefert. 

Grüner Strom schützt auch vor hungrigen Greifvögeln

Landwirt, Gastronom, Unternehmer Herbert Hanna
Landwirt, Gastronom, Unternehmer Herbert Hanna – das Huhn hat gute Chancen, zumindest an diesem Tag, nicht in den Topf zu kommen.

Der Fröschbrunna liegt idyllisch auf einer Anhöhe am Rande der Festungsstadt Kronach. Von hier bietet sich ein großartiger Blick in die Natur, geprägt von Anhöhen, Feldern, Wiesen und Wald. Vor gut 20 Jahren hat Herbert Hanna seinen Betrieb auf „Bio“ umgestellt. Zur Landwirtschaft gehören 75 Hektar Acker, auf denen Getreide und das Futter für die 60 Angusrinder, weit über 200 Legehennen und um die 9 000 Masthähnchen angebaut wird. Tierhaltung wird hier so betrieben, wie man sie sich idealerweise vorstellt. „Das Wohl unserer Tiere liegt uns sehr am Herzen“, betont das Ehepaar Hanna. Auf den Hangwiesen steht eine Herde Angusrinder, die vor allem für die Pflege der Weideflächen zuständig ist. Die Hühnchen leben in offenen Ställen, die den Schattentieren Schutz und gleichzeitig maximale Bewegungsfreiheit bieten. Früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn die Sonne nicht prall vom Himmel scheint, dann tummelt sich das ausgesprochen agile, weiß-braun gefleckte Federvieh der Rasse Hubbard auf den weiten Wiesen rund um den Fröschbrunna. Anders als in der konventionellen Haltung, in der vorwiegend schnell wachsende Hybridlinien verwendet werden, kommen in der Öko-Mast vor allem langsam wachsende Rassen zum Einsatz. 

Neben den Hühnerställen, auf ca. drei Hektar Fläche, hat Landwirt und Gastronom Herbert Hanna vor kurzem eine Photovoltaik-Anlage installiert. „Damit habe ich einen landwirtschaftlichen Doppelnutzen“, so der findige Unternehmer. „Wir erzeugen auf einer sonst brachliegenden Fläche grünen Strom, den wir weiterverkaufen. Darüber hinaus bieten wir mit der Anlage unseren Hühnern Schatten im Freien und Schutz vor hungrigen Greifvögeln.“ Weitere 300 Kilowatt-Stunden Strom erzeugen Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Damit werden Gebäude und Fahrzeuge mit grüner Energie versorgt.

Der Frosch im Biergarten, von dem das Gasthaus aber nicht seinen Namen hat.
Der Frosch im Biergarten, von dem das Gasthaus aber nicht seinen Namen hat.

Brotzeitteller werden serviert.
Brotzeitteller werden serviert.

Nie war Eierlikör frischer, cremiger und aromatischer

So auch der „Fröschbrunna Coaster“. Wer sich hier in einen Bob setzt und dann vom Schlepplift gut 250 Meter bergauf ziehen lässt, kann von der Anhöhe aus den Blick bis zur Kronacher Festung Rosenberg genießen. Anschließend geht es dann mit durchaus rasantem Tempo über die kurvige Strecke der Sommer- und Winterrodelbahn wieder hinunter ins Tal. 

Herbert Hanna hat den Hof zu einem schmucken Betrieb mit unterschiedlichen Standbeinen ausgebaut. Funktionieren tut das, weil die Familie Hanna zusammenhält. Von der über 80jährigen Großmutter bis hin zu den Söhnen der Familie helfen alle mit.

Wer nach der Fahrt im Coaster etwas braucht, das den empfindlichen Magen wieder ins Lot bringt, dem sei der hausgemachte Eierlikör empfohlen. Die Eier liefern die hauseigenen Bio-Legehennen. Die Rezeptur ist ein streng gehütetes Geheimnis. Der Genießer hat die Wahl zwischen den Sorten „Eierlikör pur“, „Malaga“, „Irish Coffee“, „Haselnuss“ und „Vanille“. Produziert wird in kleinen Chargen. Versprochen: nie war Eierlikör frischer, cremiger und aromatischer. Die schlanken Flaschen mit den hübsch bemalten Etiketten kann man für den Genuß zuhause ebenso mitnehmen wie die hausgemachten Eiernudeln oder Kartons mit frischen Bio-Eiern.

Auf der malerischen Terrasse vom Fröschbrunna steht das Wahrzeichen des Hauses: ein aus grobem Sandstein gemauerter Brunnen, an dessen Rand die Skulptur eines Frosches sitzt. Drumherum fügen sich Tische und Bänke, Bäume und hübsch bepflanzte Blumenbottiche zu einem Ort, an dem die Zeit ein wenig still zu stehen scheint. Hendl und Helles gibt’s hier ohne nerviges Humtata. Die Sonne scheint durch das Blattwerk. Man muß ein wenig blinzeln, wenn man die frische Maß Bier anhebt und dem Gegenüber – wie es im Biergarten üblich ist – bei jedem neuen Schluck zuprostet. Karin Hanna schwebt vorbei. Dieses Mal mit einer speziell für den Gast zubereiteten Spezialmischung: Weisser Käs mit duftenden Bratkartoffeln, knackfrischen Gartensalaten – liebevoll dekoriert mit kleinen blauen und gelben Blüten – und dazu Spiegelei. So einfach und so gut. Das ist Glück pur.

Zum Fröschbrunna
Die 2. und die 3. Generation des Familienunternehmens

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