Ausgabe Mai / Juni 2022 | Essen & Trinken

Der Dichter und das Brot

Wolframs-Eschenbach ist für seinen Dichter berühmt. Seit zwei Jahren dringt aber auch die frohe Kunde von einem besonderen Bäckerei-Konzept über die alten Stadtmauern hinaus ins Land.

Text: Juliane Pröll | Fotos: J. Albright Jr.
Wolframs-Eschenbach ist für seinen Dichter berühmt. Seit zwei Jahren dringt aber auch die frohe Kunde von einem besonderen Bäckerei-Konzept über die alten Stadtmauern hinaus ins Land.

Rote Ziegeldächer, alter Sandstein und viele Fachwerkhäuser zieren das Antlitz der Stadt Wolframs-Eschenbach. Sie ist nach ihrem berühmtesten Einwohner benannt. Obwohl er schon rund 800 Jahre verstorben ist, ist Wolfram von Eschenbach auch heute vielen Menschen dank seines Romans „Parzival“ ein Begriff. Wegen des namensgebenden Dichters weht noch immer ein Hauch Ritterleben durch die Gassen der Altstadt. Wolframs-Eschenbach wurde im 10. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und pflegt seine mittelalterlichen Wurzeln bis heute. Umschlossen wird die Stadt von zwei gut erhaltenen Stadtmauern. Eines der Stadttore führt direkt auf die historische Hauptstraße mit ihren alten Fachwerkhäusern und dem grauen Kopfsteinpflaster. Im Ortskern schmückt das Brunnendenkmal des Dichters den Marktplatz der Stadt. Mit seiner linken Hand am Schwertgriff, die andere an der Harfe, wacht er über sein kleines Reich mit alten Fachwerkhäusern und massiven Steinbauten. Interessant ist, daß sich Wolfram von Eschenbach selbst mehr als Ritter, denn als Schriftsteller oder Dichter sah. So schreibt er über sich selbst:

Blick auf die historische AltstadtDoch was ist das? Ein süßer Duft weht vorbei an Wolfram durch die Gassen der Altstadt. Er führt direkt zu einem ocker-weiß gestrichenen Haus. Denn im Ort verbirgt sich noch etwas ganz Besonderes: eine Stadtbäckerei mit Café. Sie befindet sich direkt am Oberen Tor in nächster Nähe zur inneren Stadtmauer. In dem Gebäude, in dem sich die Bäckerei befindet, hat das Backhandwerk Tradition. Seit über 400 Jahren beherbergt es eine Bäckerei. Der alte Bäckermeister ging vor sechs Jahren in den Ruhestand und vermietete den Laden an eine Back-Kette. Aber der Filiale in Wolframs-Eschenbach mangelte es bereits 2018 an Personal. Bürgermeister Michael Dörr bekam den Anruf vom Leiter der Filialkette persönlich:

Blick auf die historische Altstadt mit Stadtmauerring
Blick auf die historische Altstadt mit Stadtmauerring

„Er teilte mir mit, daß er deshalb gleich am nächsten Tag schließen würde. Dann standen wir erstmal da. Ich bin von Pontius zu Pilatus gelaufen und habe versucht, einen anderen Filial-Bäcker zu finden.“ Der Weg war jedoch umsonst. Die anderen Bäcker hatten bedenken, in der Altstadt nicht genug Umsatz zu machen. Außerdem seien die Räumlichkeiten zu klein. So saß Wolframs-Eschenbach gebäckmäßig zwei Jahre auf trockenen Krümmeln. Die Stadt holte sich schließlich eine Beratungsfirma zu Hilfe. „Letztendlich sind wir mit dem Stadtrat zu dem Schluß gekommen, daß wir die Bäckerei selbst aufziehen wollen“, so Dörr. Im März 2020 begannen die Umbauarbeiten im Laden und im September eröffnete die Bäckerei. Der Umbau belief sich auf circa 70 000 Euro. Die Kosten für das Geschäft inklusive der Mitarbeiterlöhne trägt die Gemeinde. Die Stadt schloß zusätzlich einen Vertrag mit der Diakonie-Bäckerei von Diakoneo in Neuendettelsau. Die ist unter anderem für ihre Hostien bekannt, die seit 1858 dort in Handarbeit gebacken und an viele Kirchen geliefert werden. Nun beliefert sie auch die Stadtbäckerei – ohne Hostien dafür mit Gebäck, Brot und Brötchen. Die Kuchen werden in der Bäckerei selbst hergestellt. Die Marmelade stammt vom Bauernladen vor Ort, Eier und Nudeln kommen aus dem Nachbarort Merkendorf. Rund 30 Brotsorten und 15 verschiedene Brötchenvarianten gehen nun jeden Tag über die Ladentheke. Zum Konzept des Geschäfts gehört außerdem ein Café im Wiener Kaffeehausstil. „Das Café wird von den Einheimischen ebenso wie von den Touristen gut angenommen“, sagt der Bürgermeister. Sogar ein Parzivalgebäck ist erhältlich – der „Parzival-Kringel“, welcher täglich frisch von den Verkäuferinnen direkt in der Bäckerei gebacken wird.

Im Mai wird schließlich noch die Bastei und der Zwingergarten zwischen der äußeren und inneren Stadtmauer gemeinsam mit dem Heimatverein eröffnet. Dazu gibt es Führungen, bei denen die Besucher auf der Stadtmauer etwas zur Geschichte und Verteidigung der Mauer erfahren. Außerdem gibt es von der Stadtbäckerei Kaffee und Kuchen sowie Kasperletheater für die Kinder. Das hätte Wolfram bestimmt auch gefallen. Vielleicht hätte er sogar ein Gedicht darüber geschrieben. Wie das wohl gelautet hätte?

Stadtbäckerei & Café am Oberen Tor
Stadtbäckerei & Café am Oberen Tor

Wiener Caféhaus-Charme in der Stadtbäckerei

Wiener Caféhaus-Charme in der Stadtbäckerei
Wiener Caféhaus-Charme in der Stadtbäckerei

Veranstaltungstip:
Sommertheater „Nibelungen“
6. Juli bis 9. Juli 2022 mit der -Theaterfirma Erfurt im Kirchhof
Mehr Infos unter:
www.wolframs-eschenbach.de

Weitere Publikationen vom Verlag Kendl & Weissbach

Franken-Magazin

Das Franken-Magazin ist eine unabhängige Zeitschrift – ein Regionalmagazin, das alle 2 Monate erscheint und die mehrseitige Reportage zum Mittelpunkt seines Inhalts erklärt. Das Franken-Magazin zeigt Land und Leute liebevoll von ihrer interessantesten Seite.

Unterstützen Sie uns

Unsere Bankverbindung ist:

DE 73 7904 0047 0682 4361 00
Commerzbank Würzburg.

Abonnement / Shop

Das Franken-Magazin finden Sie im Zeitschriftenhandel. Sie können die Artikel hier online lesen oder Sie schließen ein Abo ab und erhalten es immer frisch gedruckt direkt in den Briefkasten. Einzelhefte können Sie ebenfalls direkt im Shop nachbestellen.

Nach oben