Das Datum für das Malerfürstentum Wredanien schlechthin

Text + Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Für das Malerfürstentum Neu-Wredanien (vormals “Wredanien”) ist der 14. Juli ein ganz besonderer Tag. Schon gut: Für Frankreich auch, da ist es freilich nur der Nationalfeiertag. Für das Malerfürstentum hingegen ist der 14. Juli 1998 das Datum schlechthin. Damals wurde das Malerfürstentum gegründet; im Jahr darauf konnten die Feierlichkeiten sogar in Anwesenheit des Fürsten Immenlitz (siehe Bild, das über die dpa in der gesamten Republik verbreitet wurde) begangen werden. Übrigens, zu unserer eigenen Überraschung. Wir, Angelika Summa, Brigitte Hausner und Wolf-Dietrich Weissbach, dachten nämlich, daß es sich bei Immenlitz um ein Hirngespinst unseres Atelierkollegen Akimo (Achim Schollenberger) handelte und es den Immenlitz gar nicht gebe. Und dann zog er leibhaftig ein, von weißen Nubiern getragen, bewedelt von seiner Hauptfrau, umjubelt von seinen Untertanen – zur Blütezeit des Künstlerstaates waren das immerhin rund 600 Bürger, die sich mit immer noch gültigen Papieren sogar ausweisen konnten. Ein großer Tag für die Kunstenklave inmitten eines Staatswesens aus Kunstbanausen und Dünnbrettbohrern, Ignoranten und Bildungsfeinden und so Zeug.

Die Gründung des Malerfürstentums Wredanien artete schließlich in ein rauschendes Fest aus, den bald legendären Atelierfesten im Malerfürstentum. Allerdings: Alles hat seine Schattenseiten, lief die Sache mit den Festen irgendwann aus dem Ruder. Nicht nur, daß unser Staatshaushalt, der einzig mit Kulturaktien aus dem Malerfürstentum gespeist wurde, den Ansturm von vielen Heuschrecken nicht mehr gewachsen war. Wir verköstigten für Tausenden D-Marks (damals noch) Unmengen Leute, die ungebeten die Grenze zum Malerfürstentum überschritten hatten, aber uns aus den tiefsten Tiefen ihres Unwesens eigentlich verachteten, mit uns nichts zu tun hatten. Es kam sogar vor, daß uns ein Behältnis mit Spendengeldern gestohlen wurde.

Wie auch immer: Wir konnten den uns eigentlich sehr wohlgesonnenen Fürsten Immenlitz einfach nicht mehr standesgemäß unterbringen und bewirten. Der Kontakt brach leider ab. Wir wissen nicht einmal, ob Immenlitz überhaupt noch lebt. Wenn ja, vielleicht wird es ihm ja zugetragen: Fürst Immenlitz, wir vermissen Dich von ganzem Herzen! Denn das Malerfürstentum besteht immer noch.

Der Frankfurter Kabarettist Bernd Weber (getragen) wird am Mittwoch abend (14.07.1999) als „imaginärer Immenlitz“ (eine Verballhornung der Namen der deutschen Kunstgrößen Immendorff und Baselitz) von vier weißen Nubiern und einer Dienerin (die Erotikmalerin Christine Dumbsky (r)) ins „Malerfürstentum Wredanien“ in Würzburg getragen. Das Malerfürstentum, eine Künstlergruppe um den Maler Akimo und die Bildhauerin Angelika Summa, hatte Weber engagiert, weil er genau ihrem Bild eines Malerfürsten entspricht. Die Künstlergruppe ist bereits mehrfach bundesweit aufgefallen, weil sie neben ihrer ernsthaften Arbeit sich immer wieder satirisch mit der Kunstszene auseinandersetzt, aber auch neue Impulse gibt. U.a. hat das Malerfürstentum Wredanien auch eine bundesweit vertriebene Kunstaktie herausgegeben. dpa/lby

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