Ausgabe November / Dezember 2025 | Kultur

Was macht die Kunst, Herr Blume?

Wie steht es um die Zukunft von Kunst und Kultur in Bayern allgemein und speziell in Franken? Unsere Redakteurin Sabine Raithel sprach mit einem, der es wissen muß: dem Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume.

Text: Sabine Raithel
Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume
Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, Foto: Steffen Böttcher StMWK

FM: Herr Blume, wie man hört, möchten Sie Kultur in Bayern gerne großformatiger inszenieren: angedacht ist u.a. ein Opernball im Münchner Gärtnerplatz-Theater. Was den Glanz betrifft, scheinen wir in Bayern ein wenig Nachholbedarf zu haben…
MB: Mehr Glamour – sehr gerne. Ein bißchen mehr Lametta täte uns in München und in ganz Bayern gut. Wir sind kulturell unheimlich stark aufgestellt. Ich finde, da darf man sich auch mal selbst feiern. Ein Opernball am Gärtnerplatz ist dafür das goldrichtige Format. Und das ist nicht alles: Mehr Glanz und Glamour bringt auch unser neuer Kunstpreis, mit dem wir im Herbst unter anderem Festivals genauso wie den Nachwuchs oder das Lebenswerk auszeichnen. Das wird ein Fest für und mit unserer großartigen bayerischen Kunstszene!

FM: Brauchen wir auch mehr Glanz beispielsweise in Bezug auf moderne Architektur und zukunftsweisende Ausstellungskonzeptionen?
MB: Visionäre Architektur kann Kunst und Kultur ein Gesicht geben und neue spannende Orte für alle schaffen. Ich finde: Wir brauchen einen selbstbewußten Ansatz bei neuen Kulturbauten, der die Lebensqualität in den Metropolregionen mehr mitdenkt und sich zur Stadtgesellschaft öffnet. Das ist aber nur eine Seite der Medaille: Wir dürfen uns nicht in Bauten und Beton erschöpfen, denn Kultur lebt von Inhalten. Deswegen habe ich mit der Kulturagenda Bayern eine breit angelegte inhaltliche Offensive gestartet. Wir wollen, daß unsere kulturellen Schätze für unsere Besucherinnen und Besucher auf der Höhe der Zeit präsentiert werden. Ich bin auch ein Fan davon, Kunst populär zu präsentieren. Ein Gemälde darf heute Instagram-tauglich inszeniert werden – wie zum Beispiel im Munch-Museum in Oslo. Hier öffnet sich alle halbe Stunde ein Vorhang und lüftet für kurze Zeit den Blick auf Edvard Munchs weltberühmtes Gemälde „Der Schrei“. Auch bei uns wird vieles kunsthistorisch wertvoll präsentiert – aber häufig noch mit einer gewissen Distanz zum Publikum. Das wollen wir mit der Museumsoffensive für unsere staatlichen Kunstmuseen ändern.

FM: Wo liegt – aus Ihrer persönlichen Sicht – ein Benchmark im internationalen Vergleich? Gibt es einen Ort, von dem Sie sagen, da wurde in Sachen Kunst und Kultur alles oder zumindest vieles richtig gemacht?
MB: Ich habe Oslo als echte Kulturmetropole mit Wow-Effekt erlebt. Der Wille, Kunst und Kultur allen zugänglich zu machen, ist im Großen wie im Kleinen mit Händen zu greifen. Das fängt an bei einer Architektur zum Niederknien und hört auf bei Kinderwagen-Stellplätzen im Innenraum von Gebäuden. Auch von unserer Kultur-Delegationsreise nach New York habe ich inspirierende Erkenntnisse mitgenommen Man bemüht sich hier radikal ums Publikum, muß immer wieder aufs Neue attraktiv für Besucher und Sponsoren sein. An der verläßlichen staatlichen Kulturförderung will ich gar nicht rütteln. Aber privates Kapital würde zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, gerade in Zeiten knapper Kassen.

FM: Können wir aktuell in Bayern im Vergleich mit internationalen Kunst-Metropolen noch mithalten?
MB: Ohne jeden Zweifel – ja. Bleiben wir bei unserer Delegationsreise nach New York: Die zahlreichen Gespräche mit dem Who’s-who der New Yorker Kunst- und Kulturszene haben uns darin bestätigt: Wir sind mit unserer Kulturagenda und der dazugehörigen Museumsoffensive in Bayern auf dem richtigen Weg – und wir haben beste Voraussetzungen. Man muß nicht ins MoMA nach New York oder in den Louvre nach Paris fahren – im Bestand der Pinakotheken in München und den Zweigmuseen in ganz Bayern haben wir Mei­sterwerke der Malerei, um die uns die Welt beneidet.

FM: Wenn es um große Investitionen und das Denken von künftigen Szenarien geht, dann dreht sich vieles um München. Wie steht es um den Norden Bayerns, um Franken?
MB: In allen Regionen des Freistaats steppt der Bär, oder besser gesagt: der Löwe. München bildet als ehemalige Residenzstadt der Wittelsbacher bis heute ein kulturelles Zentrum, aber auch über München hinaus gibt es ein vielfältiges kulturelles Angebot. Wir haben rund 1.250 Museen, darunter die größte Gemäldesammlung der Welt mit ihren Zweigmuseen quer durch Bayern. Staatstheater von München über Augsburg und Nürnberg bis künftig nach Regensburg und Würzburg, 19 kommunale und zahlreiche private Bühnen. Dazu kommen 10 UNESCO-Welterbestätten, fast 2.000 Bibliotheken, viele Kleinkunstbühnen, das bayerische Kabarett, Comic-Kunst und überhaupt unglaublich viel Kreativität, wie man an all den Ausstellungen, Konzerten und Veranstaltungen in ganz Bayern sehen kann. Mit der Kulturmilliarde fördern wir diese kulturelle Vielfalt in diesem Jahr mit Rekordausgaben. Speziell in Nordbayern investieren wir gerade in mehrere große Kulturbaustellen – von der Generalsanierung des Landestheaters Coburg und des Mainfranken Theaters über den Neubau in Kitzingen für das Staatsarchiv Würzburg bis hin zur neuen Interimsspielstätte am Staatstheater Nürnberg sowie der Sanierung und Neukonzeption des Museums für ­Franken. Nicht nur in baulicher Hinsicht investieren wir in Franken, auch die vielfältigen Initiativen der Freien Szene unterstützen wir kraftvoll. Mit dem Kulturfonds fördern wir 2025 in Franken 42 kulturelle Projekte mit über 1,1 Millionen Euro. Klar ist: Wir haben die ganze Fläche Bayerns im Blick – kulturelle Teilhabe ist für uns in allen Regionen ein Muß.

FM: Verraten Sie uns Ihren persönlichen Lieblingsort für Kunstgenuss in Franken?
MB: Wer die Wahl hat, hat die Qual – Franken hat so viele kulturelle Perlen! Das ist ja das Besondere: Wir haben in ganz Bayern und insbesondere in Franken eine einzigartige Dichte an Theatern, Museen und Fe-stivals – hier könnte ich jeden Tag irgendwo eine hoch­karätige Kulturveranstaltung besuchen. Um ein paar Beispiele zu nennen: Die Eröffnung der ­Bayreuther Festspiele ist jedes Jahr ein Gänsehautmoment. Hier vereinen sich Tradition, Exzellenz und ein gewisser Glamourfaktor. Auch auf dem Kissinger Sommer bin ich gerne zu Gast. Im Museumsbereich ist Schloß Johannisburg mein Tipp – vielleicht für manche noch ein Geheimtip. Hier befindet sich mit der Staatsgalerie Aschaffenburg eine der prachtvollsten Gemäldesammlungen des 18. Jahrhunderts. Ich könnte noch unzählige weiter Beispiele nennen – vom Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg bis zum Neuen Museum Nürnberg und vielem mehr!

FM: Welche Rolle spielen Kunst und Kultur für die positive Entwicklung der Gesellschaft?
MB: Ohne Kunst geht es nicht! Sie ist die Stimme unserer offenen Gesellschaft. Ich beobachte mit großer Sorge internationale Entwicklungen wie etwa in den USA, wo Museen und andere Kultureinrichtungen zusehends unter politischem Druck stehen. In Bayern ist unsere Haltung klar: Bayern ist Kulturstaat – eine starke und freie Kulturlandlandschaft gehört zu unserem Selbstverständnis. Wenn woanders Freiheit heute kleiner buchstabiert wird, dann buchstabieren wir in Bayern die Liberalitas Bavariae erst recht groß.

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