KörperSkultpturen
Text + Fotos: Wolf-Dietrich Weissbach

Es geht der Würzburger Bildhauerin Angelika Summa nicht um Haute Couture. Höchstens ironisch. Was in der Performance Ende September im Garten des kunstsinnigen Vereins „Hyazinth“ in Thierach-Rödental bei Coburg nach extravaganter Mode aussehen mag, ist (für die Jahreszeit zugegeben etwas „erfrischende“) Kunst, sind Skulpturen, im Wortsinn sogar „untragbare“ KörperSkulpturen, die den Trägerinnen bei jeder Regung womöglich empfindliche Verletzungen zufügen könnten. Die body-sculptures sind bisweilen sogar bewußt „unmenschlich“ und für den höllischen Zustand unserer Welt geradezu paradiesisch.
Geht es der Mode also um die Reduktion sozialer Komplexität, insofern gesteigerte Individualität in Serie gefertigt wird, befördern Summas KörperSkulpturen als Unikate die Komplexität von Welt überhaupt. Frau bzw. hier die fünf Frauen werden für die Dauer einer Performance zu einer künstlerischen Idee und damit selbst befähigt, das Kunstwerk (die Skulptur) von innen heraus zu erleben. Genau das aber soll den Zuschauern die Identifikation mit dem Kunstwerk erleichtern, ermöglichen.
Das amüsierte Mitleiden, das Erschaudern bei der Vorstellung, jetzt selbst von dem Metall gequält zu werden, ist dabei ein guter Einstieg und gerät wohl schnell in Widerstreit zu dem visuellen Genuß, der von den bizarren Formen ausgeht, die sich auf Geheiß einer eigens dafür komponierten Percussionsmusik an die nackte Haut schmiegen. Das Zugleich von Martialischem und Zerbrechlichem soll nach den Vorstellungen von Angelika Summa unmittelbar erlebt werden. Der Betrachter, die Betrachterin, die sich in die mutigen Models hineinversetzen, erleben sich vielleicht als Skulptur, verstehen die Skulptur. Und genau darum geht es der Künstlerin. ❚ wdw

