Gruß aus der Hölle
Das ehemalige Tanzcafe Charlott-Terrassen am Nikolausberg in Würzburg
Text: Wolf-Dietrich Weissbach | Fotos: Stefan Kendl

Für die, die nicht dabei waren, sind Lost Places im morbiden Sinnschatten kostümierte Erinnerungen an die Zukunft. So wird es bald-damals überall aussehen. Klar, Zeitgeist spielt eine Rolle. Und den prägen nun mal einige gewissenlose Sumpfengel, die in gigantischer Geistlosigkeit zunehmend heftiger um Frieden streiten und denen eine Hälfte der Menschheit das Schlimmste zutraut. Noch reicht allerdings, daß sensible Seelen aus angstverstörtem Mauerwerk, unwirklichen Fensteröffnungen, als hätte es nie Glas gegeben, zusammenhanglosen Steinen, Balken und Ritzen, das koagulierte Lachen der Tanzpaare von einst vernehmen und ihnen dabei ein irgendwie schwefeliger Geruch in die Nase steigt.
(Wobei man sich nicht täuschen lassen sollte: Fotos zeigen keinen Schmutz.)


Warum auch: Die Charlott-Terrassen waren ein nobles Tanzlokal am Nikolausberg in Würzburg. 1922 von einem Konditor erbaut, 1937 von einem forscheren übernommen, zum Konzert-Tanzcafé umgebaut und schließlich beim Bombenangriff am 16. März 1945 vollständig zerstört. Nach dem Wiederaufbau aber konnte das Tanzlokal von 1949 bis zur Betriebsschließung 1961 gewissermaßen legendär werden. Die Stadt erwarb das Anwesen und weigerte sich beharrlich, eines ihrer „Heiligtümer“ privater (etwa als Kunstgalerie) oder selbst sozialer Nutzung zuzuführen. Sogar ein Abriß (in Würzburg beliebt) war im Gespräch. Nichts da und so modert das Kleinod weiter vor sich hin.





