Liebe Leserin, lieber Leser

Ausgabe Mai / Juni 2020

Eigentlich haben in den vergangenen Wochen verhältnismäßig wenige Kritter (so nennt eine amerikanische Feministin alles diverse Lebendige) aus dem Fenster gesehen. Okay, viel gab es vermutlich nicht zu erleben. Eine Nachbarin mit ihrem Begleitfussel, die sich immer in der Zeit vertut; von oben betrachtet möchte man sich fast mit ihr anfreunden. Ein Spatz, dem ein Fetzen Papier am Schnabel klebt und den er nicht losbekommt. Verhielte sich der kleine Vogel still, würde das Teil höchstwahrscheinlich abbrennen – Spatzen haben schon von Hause aus unglaubliche 42 Grad Körpertemperatur. Das Bild wäre preisverdächtig: Spatz mit brennendem Schnabel!
By the way (solche Ausdrücke gehen einen inzwischen runter wie Öl!): Gibt es denn überhaupt noch Ratten? Ratten hätten etwas Beruhigendes. Sie wissen? Die Sache mit dem Schi . Außerdem sind wir, laut chinesischem Horoskop im Jahr der Ratte. 160 bis 200 Millionen gab es bis vor kurzem in Deutschland. Und nun sollen die sich gegenseitig auffressen, weil sie wegen Corona kein Futter mehr fänden? Ob sie in den Museen des Aussterbens schon eigene Gehege haben? Sie gehören schließlich zu den etwa 65 Arten der Altweltmäuse. Man tut diesen Ekeltieren trotzdem Unrecht, wenn sie etwa als Phrenonyme (eine Art Decknamen) für Konzernchefs herhalten müssen, die in der Krise staatliche Hilfsgelder beziehen, um dann Boni und Dividenden auszuschütten.
Wie meinte George Bernard Shaw: „Die Realität ist eine Illusion, die durch den Mangel an Alkohol entsteht.“ Unter diesen Vorzeichen fällt uns dann auf, daß wir kaum noch von den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln hören oder den 1500 unbegleiteten Flüchtlingskindern, die doch in Europa verteilt werden sollten. Was ist mit der Heuschreckenplage in Afrika, was mit den weltweit hungernden Menschen, was ist mit dem Krieg in Syrien, was ist mit dem Klimawandel, warum sterben die Meisen? Was versteht in Sachen Corona Deutschland eigentlich unter Solidarität mit den europäischen Nachbarn?
Und ist nicht vielleicht doch Donald Trump ein Reptiloid? Vielleicht tut er nur so, als würde er so tun? Vielleicht sollten wir täglich nach der morgendlichen Zeitungslektüre unseren Grad an Bestürzung über den Zustand der Welt auf einer Skala von 1 bis 10 eintragen? Wer mehrfach hintereinander nicht über 3 hinauskommt, verschläft gerade.
Sie halten diesmal ein Notausgabe des Franken-Magazins in Händen, wir haben uns natürlich trotzdem bemüht, eine gute Zeitschrift zustandezubringen. Halten Sie uns die Treue! Wir brauchen Sie!

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger