Liebe Leserin, lieber Leser…

Na, also! Die Bienen hätten wir gerettet. So schwer war das doch gar nicht. Sollten wir uns nun nicht überhaupt um die Insekten kümmern? Weltweit sind vierzig Prozent aller Insektenarten ernsthaft gefährdet. Müßten wir wohl retten. Schließlich soll mit frittiertem Geschwirr zukünftig der arme Teil der Menschheit ernährt werden – also fast alle. Andererseits wäre es vielleicht auch fair, nicht immer nur die Landwirtschaft verantwortlich zu machen. Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, daß zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt vor allem Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natürlichen Ressourcen wie auch die Überfischung oder selbst Wilderei zählen, aber das können wir doch nicht ernsthaft allein den Landwirten, Fischern, Lebensmittelproduzenten anlasten. Klar richten Pflanzenschutz und Monokulturen erheblichen Schaden an, aber wenn wir alle (in Deutschland, nicht Indien) bereit wären, für Lebensmittel etwas mehr Geld zu bezahlen, könnten vielleicht viel mehr Landwirte verantwortungsbewußter mit Landschaft und Tieren umgehen.

Versuchen wir also erstmal Tiere und Pflanzen zu retten, bei denen vermutlich jedes Bemühen zu spät kommt. Im Katastrophenvorverkauf gäbe es da schon das eine oder andere Schnäppchen: Die Unterschrift bei einem Volksbegehren zur Rettung des Amur­leoparden – es gibt angeblich noch 86 Exemplare – entspricht dann in etwa der Subscription einer letzten Ausgabe bzw. dem Eintrag in einem Kondolenzbuch. Aber der gute Wille ist belegt. Wir können uns auch um die Rettung postnaturaler Wesen, z. B. dem A 380, bemühen. Schon gut! Man kann eben nur noch sarkastisch werden. Wir haben eine Welt voller großer Probleme und anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, lassen wir uns von Populisten gewissermaßen in Geiselhaft nehmen. Über Monate lähmen Themen wie Brexit, Große Mauer, Diesel usw. den öffentlichen Diskurs. Und in all diesen Fällen geht es mehr oder minder deutlich nicht um Freiheit, Selbstbestimmung, Sicherheit oder saubere Luft, sondern vor allem um die Vorteile einiger weniger. Darum geht es übrigens auch, wenn jetzt wieder weltweit aufgerüstet wird. Was gäbe man nicht dafür, wenn zur Abwechslung einmal Dummheit und skrupellose Machtpolitik von Aussterben bedroht würden? Lassen Sie sich die Laune nicht verderben! In den Texten unserer neuen Ausgabe können Sie und sei es zwischen den Zeilen lesen, daß es sich lohnt, für unsere Welt zu kämpfen.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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