Liebe Leserin, lieber Leser

Bildschirmfoto 2018-11-30 um 13.16.07Es ist ja nicht so, daß es keine guten Nachrichten gibt, beileibe nicht; richtig schlecht sind ohnehin nur die wirklich wichtigen. Angesichts aber des Umstandes, daß nur ein Bruchteil des denkwürdigen und seinsunwürdigen, gesellschaftlichen Geschehens als Nachricht selbst beim interessierten Bürger überhaupt ankommt, gibt es eine eigentlich noch spannendere Frage: Warum wurden wir von beunruhigenden Entwicklungen so überrascht? Ganz offensichtlich haben selbst Soziologen und Politologen die Krise unserer Demokratien, die Zerstörung gesellschaftlichen Zusammenlebens durch Verschwörungstheorien, Haß-Mails, überhaupt durch das Erstarken menschenfeindlicher, fremdenfeindlicher, autoritärer Ideologien nicht ansatzweise kommen sehen. Geschweige denn, daß sie wüßten, wie mit all dem vernünftig umzugehen wäre. Wir starren wie die Kaninchen auf die Schlange, aber wir dürfen nicht erstarren. Eigentlich geht nur, für Demokratie, für Menschlichkeit, für all die Werte, derer wir uns noch aus besseren Tagen erinnern, auf die Straße zu gehen, wann immer es dazu Gelegenheit gibt. Und zum Jahresende ganz besonders gibt es noch eine Möglichkeit, all der Wut und dem Haß, die ohnehin alles nur schlimmer machen, etwas entgegenzusetzen. In den vergangenen fünfzig, sechzig Jahren sind viele Botschaften etwas in Vergessenheit geraten, die sogar in der Unterhaltungsmusik bestimmend waren. Vielleicht sollten wir uns mal wieder einen Louis Amstrong mit „What a wonderful world“, oder die Hollies „He ain’t heavy, he’s my brother“ anhören; wer will, auch Maria Callas „Ave Maria“, Gershwins „Summertime“ oder Edith Piaf  mit „La vie en rose“.

Das darf auch auf Deutsch (Nana Mouskouri: „Schau mich bitte nicht so an“) sein. Es ist egal. Jede(r) sollte etwas haben, das sie/ihn ergreift, berührt, friedlich stimmt. Es kann auch ein Text sein. Vielleicht ein Satz von Erich Kästner aus dem Jahre 1949: „Als die Menschen durch den Rundfunk erfuhren, daß ihre Staatshäupter den Tieren nachgegeben und den ewigen Friedensvertrag feierlich unterzeichnet hatten, brach solcher Jubel auf der Erde aus, daß sich die Erdachse um einen halben Zentimeter verbog.“ Wie auch immer, wer jedenfalls gar nichts hat, das ihn ergreift, das ihn den Menschen, allen Menschen gegenüber freundlich stimmt, der hat sich letztlich sogar von seinem Menschsein verabschiedet.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen besinnlichen, friedlichen Jahresausklang und wünschen uns natürlich, Sie auch im neuen Jahr zu unseren Leserinnen und Lesern zählen zu dürfen.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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