Die Kulmbacher Eiszeit

Der Sommer steht vor der Tür. Zum Glück liegen sie weit hinter uns – die tristen ­Wintermonate. Mit der beginnenden heißen Zeit des Jahres kommen leidenschaftliche ­Eisschlecker endlich wieder voll auf ihre Kosten. Egal, wo man gerade ist, man muß sich nur an der Länge der Warteschlangen vor den Eisdielen orientieren. Das ist das ultimative Qualitätsmerkmal für leckeres Gelato artigianale aus besten frischen Zutaten. Leider werden uns Schleckermäuler in Germania transalpina, die wir industriell gefertigter Eiscreme so gar nichts abgewinnen können, die italienischen Eismacher dann ab Oktober wieder im Stich lassen. Warum eigentlich?

Früher waren es die Zugvögel, die sich in Schwärmen Richtung Süden auf den Weg machten. Ihr Abflug war zuverlässiger Vorbote für monatelanges Schmuddelwetter, gepaart mit Schnee und Kälte – eben all das, was uns alljährlich in unseren Breiten im Winter so erwartet. Doch infolge der globalen Erderwärmung sparen sich viele jener Vögel mittlerweile diesen Kräfte zehrenden Flug. Nach wie vor absolut zuverlässig sind hingegen die italienischen Gelatieri. Ab Ende Oktober ist definitiv Schluß für uns mit der Eisschleckerei. Der Winter droht, und die Italiener zieht es magnetisch Richtung Süden. Wie wir sie beneiden, sie, die ganz offensichtlich bis zum kommenden März – vier bis fünf ganze Monate – zum dolce far niente nach bella Italia aufbrechen! Die Namen ihrer Eisdielen Venezia, Napoli, Roma oder Sanremo lassen Sehnsuchtsorte mit Strand, Meer, Sonne… in der Phantasie der im Wintergrau Zurückgebliebenen entstehen. – Aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Von wegen sonniger Süden! Die meisten Eismacher, so auch die Familie De Pellegrin – sommers in Kulmbach ansässig – kommen im Frühjahr aus tief verschneiten Dolomitentälern wieder zu uns zurück. Vor allem aus dem von imposanten Felsmassiven umgebenen Val di Zoldo.

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