Wider das Zerpixeln des geronnenen Lichts

Ein Beitrag zum Untergang der analogen Photographie … und ein Plädoyer für eine öffentlich-rechtliche Bildagentur / in Kulturzeitschrift Nummer 16 und 17 / 2005

Analoge vs digitale Photographie – Die Industrie. Der Markt.

Nachrichten, daß Kodak die Produktion analoger Filmmaterialien einstellt, Fuji das gesamte Sortiment hochwertigster Mittelformatkameras, Nikon demnächst nur noch eine analoge Spiegelreflexkamera herstellen will, Minolta sich gänzlich von der Kameraherstellung verabschiedet, Agfa die Film- und Fotochemie-Produktion aufgab, sollten geeignet sein, unter ernsthaften Fotografen Panik auszulösen – als würde man Kurzsichtigen androhen, ihnen Brillen und Kontaktlinsen bald gänzlich zu versagen. Die Zusicherung, dafür stets preisgünstig Wachsmalkreiden vorzuhalten, könnte Brillenträger kaum beruhigen, verrückterweise scheint bei den Fotografen Entsprechendes zu gelingen. Jedenfalls boomt das Geschäft mit Digitalkameras, während die Händler für den gesamten analogen Bereich drastische Umsatzeinbrüche vermelden; bei Filmmaterialien allein 2005 gegenüber 2004 rund dreißig Prozent. Das verdankt sich mitnichten den professionellen Fotografen, die waren »einst« ohnehin nur mit knapp zehn Prozent am Umsatz des Fotomarktes beteiligt. Inzwischen spielt die analoge Fotografie bei den Profis fast keine Rolle mehr. Junge Presse- und Werbefotografen wissen mittlerweile höchstens noch vom Hörensagen, daß es einmal Filme gab, die entwickelt, retuschiert, vergrößert werden mußten. Vielleicht werden allein noch Porträt- und Hochzeitsfotos traditionell erstellt, denn trotz alledem genießt die »richtige Fotografie« nach wie vor den besseren Ruf.                                                                                                                                                                                                                              Nein, ausschlaggebend für die Fotoindustrie sind nahezu allein die privaten Kunden, Hobbyfotografen, Amateure. Und da kann der Verband der Fotoindustrie verkünden, daß in Deutschland bereits vierzig Prozent aller Haushalte über eine Digitalkamera verfügen, obgleich achtzig Prozent aller Haushalte eine analoge Kamera besitzen. Offensichtlich kommen die gegenwärtig rund 1000 Modelle von Digitalkameras vielfältigen Kundenwünschen entgegen. Sie sind klein, chic, (mitunter) einfach zu bedienen, können jederzeit Gesprächsstoff generieren, bieten sofortige Sicherheit hinsichtlich des Ergebnisses, eignen sich zum Spielen (Camera-tossing), gehören gewissermaßen zur Peripherie des gerade angeschafften PCs, sind kostengünstig. Der Preisvorteil wird jedoch schnell zur Milchmädchenrechnung. Mit der Begeisterung über die eigene Bilderproduktion wachsen die Ansprüche. Besserer Drucker, besseres, haltbareres Druckerpapier, teurere Tinten, größere Speicherkarten, besseres Bildbearbeitungsprogramm (natürlich die entsprechenden Updates), zusätzliche Festplatten, bessere Kamera (mindestens fünf Millionen Pixel). Schnell stößt man erneut an Grenzen, die weitere Ausgaben nahelegen. Im professionellen Bereich haben die ständigen Zwänge zu schnellerer und besserer technischen Qualität und zum problemlosen Einreihen in den workflow in den vergangenen Jahren so manchen an den Rand des Ruins getrieben, da die extrem höheren Anschaffungskosten der digitalen Technik sich in immer kürzerer Zeit amortisieren mußten, gleichzeitig aber die Erlöse wie etwa Bildhonorare von Pressepublikationen drastisch gekürzt wurden bzw. überhaupt weniger Fotoaufträge vergeben werden. Was bei den Profis der Konkurrenzdruck, hat bei den Amateuren sein Gegenstück in durchaus plausiblen Kaufanreizen, da die digitale Fototechnik ja tatsächlich noch lange nicht ausgereift ist und praktisch Tag für Tag Qualitätssteigerungen (z. B. größere Chips) auf den Markt kommen.

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