Was ist eigentlich Churfranken? Neuland für Genießer?

Auf jeden Fall ist mitten im schönen Bayern, mitten im noch schöneren Franken einfach eine neue Region entstanden

Daß Städte, Regionen oder ganze Länder aus politischen und/oder ideologischen Gründen umbenannt werden, kennt man ja – auch und gerade aus neuester Zeit. Selbständig gewordene Staaten wehren sich gegen die Bezeichnung durch einstige Kolonialherren, aufoktroyierte Denkdiktate werden revidiert, namengebende Helden gestürzt. Nicht nur im fernen Afrika oder etwas näher in Rußland. Auch Karl-Marx-Stadt ist wieder zu Chemnitz geworden, und das liegt nun wirklich nicht so weit weg. Doch sogar ganz in unserer Nähe hat sich scheinbar etwas getan – und das ohne jedes Polit-Bohei, ohne Revolu-, Restaura-, Deklara- und sonstige -tionen, schleichend und (fast) unbemerkt. Mitten im schönen Bayern, mitten im noch schöneren Franken ist eine neue Re­gion entstanden: Churfranken. Wer nun, verleitet vom altertümelnden „Chur“ (nach alt­hochdeutsch churi = wählen), zum historischen Atlas greift und die Karte vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aufschlägt, sucht vergeblich. Churfranken hat es nie gegeben. Wohl aber das Churmainzische oder Kurmainzische. Das war das zum Erzbistum Mainz gehörige Gebiet, also auch Aschaffenburg und das Maintal fast bis Wertheim. Der dortige Chef, der Erzbischof von Mainz, hatte zusammen mit den Kollegen von Köln und Trier, das Recht, mit den welt­lichen Landesherren von Böhmen, der Pfalz, Sachsen und Brandenburg vom ­13. Jahrhundert bis 1806 den deutschen Kaiser zu wählen. Dann kam Napoleon. Mit ihm und nach ihm ­änderte sich alles. So wurde Franken, das es politisch schon längst nicht mehr gab, Bayern zugeschlagen. Ein Akt, den manche Franken auch heute noch als eine Art Kolonialisierung empfinden.

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