Scharfe Stangen

Rund um Baiersdorf, im Land zwischen Nürnberg und Bamberg, liegt das traditionsreichste Meerrettich-Anbaugebiet der Welt. 1500 Tonnen des scharfen Gemüses werden dort jährlich geerntet und verarbeitet und in alle Herren Länder verschickt. Dem Kren wird eine magische Wirkung nicht nur als Aphrodisiakum nachgesagt.

An welchen körperlichen oder psychischen Schwächen der Markgraf Johannes Alchemista (1401-1464) litt, ist nicht überliefert. Es gilt aber als wahrscheinlich, daß der damals auf Schloß Scharfeneck bei Baiersdorf residierende Adelige es war, der den Meerrettich als natürliche Medizin von einer seiner Reisen aus Osteuropa mit an die Regnitz brachte. Ein wahrer Segen. Denn schon bald bauten alle in und um Baiersdorf ansässigen Bauern den „Gree“ an. So konnte Johann Michael Füssel aus Erlangen 1787 in seinem Reisetagebuch von den Baiersdorfern berichten: „Ihr beträchtlicher Nahrungszweig ist der Meerrettich und er wird in so großen Mengen angebaut, daß er weit und breit verfahren wird.“ Bald schon blühte der Export: Nach der Eröffnung des Ludwig-Donau-Main-Kanals im Jahr 1846 wurden die Meerrettichstangen in großen Holzfässern mit jeweils 500 kg Faßvermögen auf Lastkähne verladen und dann bis nach Österreich, Ungarn, Palästina, die USA und Rußland verschifft. Das geschäftige Treiben sorgte auch im Krenland für manche Annehmlichkeit: So soll der Erlanger Landrichter 1860 die Einführung einer Straßenbeleuchtung in Baiersdorf mit der Begründung verlangt haben, daß dort „der Fremdenbesuch … insbesondere wegen des Krenhandels zu Zeiten nicht unbedeutend ist“.

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