Olfaktorische Sexbomben

SambaPolitisch korrekt war der Ausdruck ohnehin nie. Etwas despektierlich wird damit eine Frau makellosifiziert, von der „eine starke sexuelle Reizwirkung ausgeht“ (Duden); das kommt im öffentlichen, eher androgynen Triebleben allerdings nicht mehr so häufig vor. Natürlich gibt es die Sexbombe noch, wenn auch bevorzugt in diversen medialen Schmuddelecken – Micaela Schäfer etwa wird derzeit gern von Privatsendern gepostet. Die optische Sexbombe war aber eigentlich eine Erfindung der 1950er Jahre, des Kalten Krieges, sie sollte übergreifende Gliedmaßen des Feindes zu reinen Brunftschwielen verkümmern lassen, zumindest solange die von Stanislaw Lem angeregte Psychemie die für eine unmerkeliche Annexion benötigten Benignatoren (Gutstoffe, die eine völlig kaputte, tyrannische Welt paradiesisch erscheinen lassen) nicht in ausreichender Menge bereitstellen würde können. Dem war bekanntlich der Zusammenbruch des Ostblocks vor. Was uns ersatzweise mit dem Clash of cultures und einer in jeder Hinsicht nur als bedauerlich zu bezeichnenden Abart einer Monroe oder Jane Mansfield konfrontierte. Die gefährlichen Etalages wurden jetzt unter einem schwarzen Zelt verborgen. Zu allem Übel wird aber in jüngster Zeit wieder der kalte Krieg aufgewärmt. Und prompt wird das erotische Waffenarsenal modernisiert: Anfang November 2014 wurde – wenn auch eher unabsichtlich – die olfaktorische Sexbombe der Öffentlichkeit vorgestellt. In Nordrhein-Westfalen sprühten sich zwei junge Frauen unmittelbar vor einem Einsatz in ihrem Tatfahrzeug mit Parfüm und Deodorants ein und zündeten sich eine Zigarette an. Die Waffe ist noch nicht ausgereift. Zwar explodierte das Auto und die beiden Frauen wurden mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus eingeliefert, darüber hinaus waren die Auswirkungen jedoch eher bescheiden.

Samba

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