Nürnberger Luftkugelfieber

Wie Monsieur Jean-Pierre Blanchard den Franken die Zukunft zeigte.

Wer weiß schon, daß der berühmte Nürnberger Christkindlesmarkt einst immer am 4. Dezember, dem Barbaratag, begann? Immer? Nein, einmal gab’s eine Ausnahme. Im Jahre 1787. Da eröffnete man den Markt bereits Mitte November. Denn ganz Europa – und so auch Nürnberg – war im Luftkugelfieber. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Dazu bedarf es ganz sicher einiger Erläuterungen.
Das 17. und 18. Jahrhundert war eine Hochzeit naturwissenschaftlicher Forschungen. Die Entdeckung physikalischer Gesetzmäßigkeiten und die sich daraus ergebenden Erfindungen machten hoff en, man könne endlich viele der dem Menschen von der Natur auferlegten Begrenzungen abschütteln. Wie bereits die griechische Sage von Ikarus und Dädalus belegt, träumte der Mensch schon immer vom Fliegen. Neben sich ständig verbessernden Kenntnissen, etwa über die Eigenschaften von Gasen oder die Thermik verwandten Tüftler und Bastler jetzt auch ganz andere Materialien als Bienenwachs und Federn wie jene Griechen, um sich damit in die Lüfte zu erheben. Man kam dem alten Menschheitstraum endlich Stück für Stück näher. So wagte sich bereits 1736 Don Guzman, ein portugiesischer Physiker, vor den Augen des Königs hoch hinaus. Mittels eines mit Papier überzogenen Holzgeflechtes, unter dem ein Feuer brannte. Ja, Guzman stieg nach oben, stürzte nach kurzem aber wieder in die Tiefe, wobei er gegen das Gesims des königlichen Palastes prallte. Zum Glück blieb er unverletzt. Ein zweiter Versuch „des Zauberers“ wurde von der Inquisition verhindert, deren Scheiterhaufen der Flugpionier nur durch die Fürsprache des Königs knapp entkam.

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