„Mich nerven Supermärkte mit glattpoliertem Obst“

Im Stadtgarten Nürnberg darf mitgärtnern, wer möchte. Es wird gemeinsam gekocht, Ernteerträge werden geteilt. Bewußt pflanzen die Stadtgärtner alte Sorten an und klären über Nachhaltigkeit auf.

Unzählige Gießkannen schleppt Anne Heinrich zu den Hochbeeten, gießt, befüllt neu. Gute drei Stunden wird die 29jährige heute Tomaten und Kräuter, Erdbeeren und Bohnen mit dem Lebensnaß versorgen. Anne Heinrich ist eine von gut 25 Freiwilligen, die sich im Stadtgarten Nürnberg aktiv engagieren – einem 2000 Quadratmeter großen ehemaligen Parkplatz in Nürnberg-Eberhardshof hinter den ehemaligen Quellegebäuden. Statt Autos „parken“ hier Hochbeete mit mehreren hundert Gemüse-, Obst- und Kräutersorten. Die Nürnberger gärtnern im vierten Jahr. Dabei vereinen sie zwei Konzepte: Das „Urban Gardening“ – zu deutsch: städtisches Gärtnern – und das Prinzip der Gemeinschaftsgärten.
Urbaner Gartenbau ist, nimmt man’s genau, so alt wie die Städte selbst. Ohne schnelle Transportmittel und Kühlmöglichkeiten mußten früher etliche Lebensmittel vor Ort produziert werden. In Paris zum Beispiel bauten im 19. Jahrhundert rund 8500 selbständige Gärtner Obst und Gemüse an. Ihre Gärten bedeckten ein Sechstel der Stadtfläche. In Zeiten von Flugzeugen, Lastwagen und Kühlketten verloren Stadtgärten an Bedeutung. Bricht jedoch die Infrastruktur zusammen – durch Naturkatastrophen, Krieg oder auch Streiks – kann glücklich sein, wer selbst produziert. Rasch kommt es zu Versorgungsengpässen – schlichtweg weil der Lebensmittelhandel bei verderblichen Waren auf einen Verkauf innerhalb von drei Tagen ausgerichtet ist.

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