Liebestod im Schaumbad

Am Highlight der maßgeblich von der Nürnberger Versicherungsgruppe finanzierten, diesjährigen Gluck Opern Festspiele 2014, dem Dramma per musica in fünf Akten „Paris und Helena“ schieden sich die Geister. Der Skandal wäre vermeidbar gewesen - nur warum sollte er?

Gebiert der Himmel wieder eine Venus? Um den Lüster jedenfalls gärt es – Liebe braucht es nämlich warm und naß; oben buhlen Paris und Helena – ein Nachbild? – im Schaum; womöglich ist aber auch nur Waschtag bei den Olympiern. Unten liegt schon mal Troja in Trümmern. Amor auf Strandgut, Paris auf bloßem Strand hingestreckt – Selter aus der PET-Flasche bewahrt ihn vor der Dehydrierung – in einer Lache von Zähren; allerdings im Adidas-Höschen, als hätte er sich nur beim Joggen verausgabt; schließlich kriecht Helena im durchgeliebten Negligé aus ihren leicht derangierten Gemächern. Stunde Null! Der Krieg ist zu Ende – freilich geizt die Regie mit dem Leichenodor. Nur Troglodyten, zoomorphe Sieger schälen sich wie Reptilien aus den Ruinen und formen sich zu einem Tribunal aus Michael-Jackson-Replikanten und Live-View-Androiden. Angelegentlich könnte der jähzornige Platzwart Menelaos sein, etwa wenn er die gebrauchte Gattin posted oder sich mit pubertärer Bordellphantasie a tergo an sie erinnert.

anzeige

anzeige
Sie möchten den Artikel gerne zu Ende lesen?

Das Franken Magazin steht unseren Abonnenten als Online-Archiv kostenlos zur Verfügung. Wenn Sie unseren Service also in vollem Umfang nutzen möchten, abonnieren Sie am besten noch heute unsere Print-Ausgabe und erhalten den Online-Zugang gratis.

Abonnement abschließen
Ich bin bereits Abonnent

Sie können sich noch nicht entscheiden? Einige Artikel sind auch für Nicht-Abonnenten kostenlos. Hier finden Sie eine Übersicht aller kostenlosen Artikel: Zur Kategorie 'kostenlos'

Tags: ,