Lieber Leserinnen, lieber Leser

Unser Titelbild zeigt die Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz

Unser Titelbild zeigt die Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz

natürlich gibt es noch gute Pressefotos – global gesehen. Als Mitglied der Jury eines regionalen Pressefotowettbewerbs kann es einem freilich passieren, daß man unter den eingereichten Arbeiten auch nicht eine preiswürdig befindet. Und erfährt man obendrein, daß zum Jahresende das letzte „anspruchsvolle“ Fotolabor/Fotofachgeschäft in Franken seine Pforten schließt, kann einem solch zufälliges Zusammentreffen schon zu Denken geben.
Hatte doch mit dem Aufkommen der digitalen Fotografie der Fachhandel noch Morgenluft gewittert. Wohl oft sogar entgegen besserem Wissen wurde die ausgereifte, analoge Technik künstlich verknappt, weil die neue Technik mehr Gewinn versprach.
Während eine gute, analoge Spiegelreflexkamera kaum noch zu verbessern war und auch nach Jahren keinen Anlaß zu einer Neuanschaffung bot, waren die digitalen Flaggschiffe zunächst noch teuerer und nach kaum zwei Jahren technisch auch schon wieder überholt. Sie wurden billiger, erforderten immer weniger fotografisches Expertenwissen, zumal dank diverser Feature einer „computational photography“ (computergestützten Fotografie) auch jedem Laien brauchbare Bilder zu gelingen schienen. Bei der Presse wurde jedem Redakteur eine Knipse in die Hand gedrückt; den Pressefotografen wurde schlicht zunehmend die Butter vom Brot genommen. Mehr und mehr kann man inzwischen überhaupt auf spezielles Fotoequipment verzichten. Andererseits ist die digitale Fotografie genau besehen selbst schon für den Laien weit teurer als es die analoge je war – nur werden die Gewinne inzwischen eben nicht mehr vom Fotohandel erwirtschaftet. Landauf, landab schließen Fotoläden. Was der Fotograf (Hobby oder Profi) benötigt, gibt es inzwischen im Internet oder eben nicht mehr. So ungefähr kann man etwas vereinfacht die Situation be-
schreiben, die sich natürlich auf das Niveau der Pressefotografie auswirkt. Natürlich gibt es noch gute Pressefotos – aber bekanntlich ist die Zukunft schon da; sie ist nur ungleichmäßig verteilt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen besinnlichen Jahresbeschluß. Wir sind nämlich der Ansicht, daß das was gerade am Beispiel der Pressefotografie beschrieben wurde, gegenwärtig in vielen Bereichen unseres Lebens stattfindet. Wir haben es jedoch in der Hand, ob wir das alles einfach mit uns machen lassen.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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