Liebe Leserinnen, lieber Leser,

umschlag

Unser Didelbild stammt übrigens aus der Sammlung von Benedikt Feser; entstanden ist es 1932 und es hat den schönen Titel (?): Die Öpflarn.

nicht daß wir vor Schadenfreude im Flur jetzt unheimlich rumkugeln. Es ist ja nicht so, daß wir den Schaden, den die Rechtschreibreform nach zehn Jahren nun tatsächlich angerichtet hat, auch nur annähernd hätten kommen sehen. Bestätigt fühlen wir uns dennoch.
Wir haben uns im Franken-Magazin dem „obrigkeitsstaatlichen Gewaltakt der Kultusbürokratie an der Sprache“, wie dies Heike Schmoll in der FAZ vom 1.8.2015 nannte, nicht gebeugt, weil er uns in vielerlei Hinsicht einfach nicht überzeugt hat. Manches fanden wir nur unschön, sehr vieles schlicht unlogisch, unsinnig, allem voran die „neuen“ Regeln für die Getrennt- und Zusammenschreibung. Sprachwissenschaftler bilanzieren inzwischen beinahe resigniert, wovor sie von Beginn an gewarnt hatten, daß diese neuen Regeln zu einer „sinnentstellenden Entdifferenzierung der Sprache“ geführt haben. „Viele der feinen Unterschiede sind geradezu sprachlich und gedanklich planiert worden“, schreibt die FAZ-Autorin.
Und selbst wenn einige Absurditäten vom Rechtschreibrat inzwischen zurückgenommen bzw. begradigt wurden, zu einer Reform der Reform wird es wohl dennoch nicht kommen. (Dabei ist seit einiger Zeit sogar einer ihrer einst glühendsten Verfechter, der damalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair, bußfertig von dem Reformwerk abgerückt.) Vermutlich wäre dies jedoch so, als wollte man dem Nilbarsch im Viktoria-See nun mit Haifischen begegnen. Eigentlich bleibt nur, wie die FAZ eine eigene „Hausorthographie“ auszubilden. Wir müssen nämlich bekennen, daß sich natürlich der „schlechte Umgang“ mit SZ und anderen Machwerken auswirkt – insofern wäre es vermessen zu behaupten, wir wären eine letzte Bastion der alten deutschen Rechtschreibung. Tja: „Nobody is perfect. Aber der Franke ist wenigstens nah dran.“ Hätte der Rechtschreibrat, vor allem der Herr Zehetmair, beizeiten bei uns nachgefragt, wäre der Schlamassel mit der deutschen Rechtschreibung gar nicht entstanden. So wird uns das Schreibchaos, wie wir es jetzt nicht nur vom Internet her kennen, die nächste Zeit erhalten bleiben – bis die Schriftsprache durch Emojis ersetzt ist. Mit verschiedenen anderen Dummheiten ist dies gewiß nicht das einzige, das uns in finstere, mittelalterliche Zustände zurückzuführen droht. Fränkisch wäre vielleicht eine echte Alternative – immerhin ist unser Dadord ja auch bundesweit konsensfähig.
Wir wünschen viel Freude mit unserer neuen Ausgabe.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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