Liebe Leserin, lieber Leser,

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Unser Titelbild entstand in Mainbernheim im Landkreis Kitzingen

Jetzt mal ganz unter uns: Was die moderne Welt so verdammt schwierig macht, ist doch, daß wir erfahren haben, alles hängt miteinander zusammen. Das ist natürlich auch gut so, sonst gäbe es ja Lücken, kleine oder größere schwarze Löcher, wie sie vielleicht mit dem Teilchenbeschleuniger, dem Large Hadron Collider, von CERN bei Genf hergestellt werden. Wobei der Umstand, daß dies ausgerechnet in der Schweiz geschehen könnte, womöglich als Ersatz des „löchrig“ (!) gewordenen Bankgeheimnisses, zu denken geben sollte. Aber das ist ein anderes Thema.

Sie gingen also mit ihrer Kreditkarte in die Stadt shopping und müßten ständig aufpassen, nicht in ein schwarzes Loch zu geraten. Sie wären da nämlich plötzlich einfach weg. Und dank der Beliebigkeit des modernen Lebens, würde dies nicht einmal jemandem auffallen. Vielleicht würden Sie mittels Hinweisschildern rechtzeitig gewarnt: Telekom, Deutsche Bahn, Amtsgericht, Ein-Euro-Shop. Aber geben Sie es zu: Ihnen würde ständig der Angstschweiß von der Stirn tropfen. Wir wollen diese Situation gar nicht weiter ausmalen. Dann schon lieber die Überforderung durch den großen Zusammenhang. Freilich ist auch so der Preis hoch: Man versteht die Welt von Tag zu Tag immer weniger. Warum prügeln sich Hochzeitsgäste in England um Schweinefleischpastetchen, obwohl sie wie Marina Weisband, von der Piratenpartei, auch nach Kiew fahren und zuschauen könnten? Warum sponsert die Sparkasse nicht auch meinen Geburtstag, wenigstens – sagen wir – mit 10000 Euro? Wieso tritt Xavier Naidoo jetzt als Julia Engelmann auf, nur ohne Musik? Fragen über Fragen, die wir uns hier auch nur zwischen Fasching und 1. April zu stellen trauen. Antworten haben wir keine, höchstens eine eingängige Überlebensstrategie von Wolfgang Neuss. Dem hat sie zwar auch nicht genutzt, sie klingt einfach gut. Sie kennen doch Wolfgang Neuss? Das war ein deutscher Kabarettist. Einer von den besten. Er ist 1989 gestorben. Von ihm stammt der schöne Satz: „Stellen Sie sich vor, es geht, und keiner kriegt’s hin.“ Wir finden: Das tröstet über so manches. Gut, wir haben in dieser Ausgabe auf Sport, Faschingsthemen und Aprilscherze verzichtet; die Lektüre könnte also lohnen.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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