Liebe Leserin, lieber Leser,

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Unser Titelbild zeigt eine Winterlandschaft bei Gössenheim in Unterfranken

so zum neuen Jahr ist es eine gute Gelegenheit, einmal zu betonen: Jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, will die Welt ein kleines bißchen besser machen. Und das heißt keineswegs vor allem Skandale aufdecken oder live von den immer zahlreicheren Schlachtfeldern der Welt zu berichten.

Eigentlich liegt die Betonung auf „ein kleines bißchen“. Eher so wie der Winzer oder der Bauer, der Bäcker, der Lehrer, der Schreiner, der Monteur, dessen ganzer Ehrgeiz der Qualität seines Produkts, seiner Arbeit gilt. Wer vernünftig nachdenkt, merkt, es kann gar nicht darum gehen, die Welt zu retten, selbst wenn man noch so überzeugt ist, recht zu haben. Zugegeben, das scheinen viele und gegenwärtig immer mehr zu glauben. Sie sind so von ihrer Sicht der Dinge überzeugt, ja mehr noch, sie scheinen davon überzeugt, daß alles, was sie tun, allein schon gerechtfertigt ist, weil sie es tun. Natürlich können wir so nicht erklären, warum Dschihadisten Kinder, Frauen und Andersdenkende ermorden, warum die CIA ohne Skrupel foltert, warum ausgerechnet in Deutschland plötzlich wieder Tausende gegen Fremde, gegen Flüchtlinge demonstrieren. Es erklärt all das höchstens ein bißchen. Wollten sie die Welt nur ein bißchen, eben überhaupt etwas besser machen, könnten sie das nicht tun. Ihnen müßte auff allen, daß der Versuch, allen anderen ihre Sicht der Welt aufzudrängen, nur ihren eigenen Interessen dient, die Welt gerade schlechter macht und zwar im Endeff ekt auch für sie selbst. Und wo sollte man das eigentlich besser wissen als bei uns. Wir sollten wissen, daß die Auswanderer nach Amerika vor rund 200 Jahren Wirtschaftsfl üchtlinge waren, daß mit den Juden, die die Nazis (die Deutschen!) vor sechs, sieben Jahrzehnten ermordeten oder zur Emigration trieben, die besten Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Denker, die Gebildeten ermordet, vertrieben wurden. Jedenfalls gerade nicht die, die skrupellos ihre Interessen durchsetzten. Und heute kommen zu uns Menschen, die ebenfalls nicht minderwertig, keine Extremisten sind, sondern von Extremisten und Kriminellen vertrieben werden. Sie versuchen, sich zu retten, wollen eine Chance zu leben. Nur, wenn wir Ihnen (auch den wenigen Wirtschaftsfl üchtlingen darunter) eine Chance geben, machen wir unsere Welt vielleicht ein kleines bißchen besser. Wir wünschen Ihnen ein gesundes und glückliches neues Jahr.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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