Liebe Leserin, lieber Leser,

Unser Titelbild entstand im Park der Eremitage in Bayreuth.

Unser Titelbild entstand im Park der Eremitage in Bayreuth.

bleiben wir vor der eigenen Tür. Ohnehin lagern weite Teile der Welt inzwischen unter einem nicht mehr nur dichten, sondern schon undurchdringbaren Gehirnnebel. Selbst in unserer nicht ganz so fernen Landeshauptstadt erinnert der dauernde Hader um den Fuhrpark der Staatskanzlei noch an eine drittklassige Balkanoperette. Wichtiger ist jetzt aber mal: Wer ist für diesen lächerlichen Sommer verantwortlich? Kann man dafür die in Franken zuständigen Religionsgemeinschaften auf Schadenersatz verklagen? Läßt sich Schlimmeres wirklich mit säkularisiertem Meßwein verhindern?

Da wir von offiziellen Stellen wieder keine Antwort erhalten, greifen wir zum „großen Buch der Überlebenstechniken“. Der Autor, ein ehemaliger Offizier des österreichischen Bundesheeres und heutiger Coach für Führungskräfte, empfiehlt als Ausrüstung für alle Fälle eine Kunststoffolie in den Abmessungen von 1 mal 1,5 Metern und einem Gewicht von 100 bis 150 Gramm. „Diese Folie kann unter anderem als Regenumhang, Windschutz, Unterschlupf, Unterlage, Sonnendestille und Auskleidung für eine Kochmulde verwendet und durch eine Rettungsdecke sinnvoll ergänzt werden.“ Man kann diese Folie auch auf dem Balkon aufspannen. Sie merken: Das gut 500 Seiten starke „große Buch der Überlebenstechniken“ gehört zu den Büchern, die in keinem Haushalt fehlen sollten, so wie u.a. auch – zumindest behauptete das ein Mitarbeiter der Buchhandlung Lorant in Bamberg – das „deutsch chinesische Wörterbuch des Hüttenwesens“. Selbst wenn wir es nicht auf Anhieb glauben mochten, aber besonders im Herbst in diesem Buch zu schmökern, erweist sich als ausgesprochen beruhigend. Zum einen versteht man, so man nicht gerade beider Sprachen mächtig ist, nur die eine Seite und selbst die, so man nicht gerade Bergmann oder ähnliches ist, versteht man auch kaum. Zudem finden sich darin so wunderschöne, sonderliche und speziell in Bayern brauchbare Worte, wie beispielsweise „Bundabschiebevorrichtung“ oder „Minderwärmebeaufschlagung“ oder „Stopfenkaltstange“ (letzteres kann man hervorragend als Schimpfwort für Politiker verwenden), die die Ukraine, Gaza, ISIS, Nigeria und dergleichen für Momente vergessen lassen. Eine solche Flucht in die reine Sprache ist zur Ablenkung mitunter erforderlich, schließlich könnte man angesichts der Zustände in der Welt schon beinahe ein schlechtes Gewissen bekommen, hier im schönen Franken, in weitestgehend intakten, sicheren Verhältnissen, und im großen und ganzen gut zu leben.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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