Liebe Leserin, lieber Leser

Unser Titelbild zeigt den Baumwipfelpfad bei Ebrach im Steigerwald

Unser Titelbild zeigt den Baumwipfelpfad bei Ebrach im Steigerwald

In 29 Jahren sind die Probleme der Menschheit gelöst – mittels Technik. Bis dahin müssen wir allerdings durch ein Tal der Tränen. So ungefähr sehen das Rob Nail, Gründer und Chef der kalifornischen Singularity University, und sein Mitbegründer Ray Kurzweil, der Zukunftsforscher und Google-Vordenker. Welche Probleme das im einzelnen sein werden, vernebeln sie mit dem Versprechen einer Künstlichen Intelligenz, die alles Menschenmögliche bald übersteigt; aber wem fielen nicht selbst genug Probleme ein. Der Hunger! Wird es nicht mehr geben, ab 2045. Vermutlich weil die Ernährung der Armen gänzlich auf Nutrazeutika von Unilever, Nestlé und Co. umgestellt oder gleich von Fastfood-Unternehmen übernommen wurde. Statt täglich mühsam gekochten Essens in den Schulen der Dritten Welt, werden dort bald mit Vitaminen, Mineralstoffen, nahrhaftem Fett und Zucker zubereitete Kekse verteilt.
Steueroasen und dergleichen erübrigen sich ebenfalls, da zumindest die ganz, ganz großen Internetkonzerne eben keine Steuern mehr zahlen müssen, weil sie sonst den Staaten damit drohen, sie vom Netz abzusperren.
Schwierig wird es vielleicht mit der Bevölkerungspolitik. Sobald die Rechtspopulisten in der EU die Macht übernehmen, werden Millionen Europäer in die Anfang des Jahrhunderts entvölkerten Gebiete im Nahen Osten oder Westafrika fliehen. Und da Dunkelhäutige bei Androhung der Ausweisung aus dem alten Europa einem Fortpflanzungsverbot unterliegen, gibt es demographische Probleme. In Deutschland wird die AfD dem Schwund mit arischen Sexpuppen begegnen. Die fühlen sich heute schon kuschelig an, aber sie bekommen keine Kinder. Anders als das leider nicht zur Serienreife gelangte, von Pygmalion geschaffene, antike Modell „Galathea“.
Möglicherweise muß man doch auf die Innovationskraft der gegenwärtig überall zu entdeckenden, elektronischen Intelligenzverstärker vertrauen. Das sind kleine, flache Kästchen, die man, um sie bei Laune zu halten, ständig mit dem Daumen streicheln muß. Das Problem mit diesen Intelligenzverstärkern ist nur der Anschluß an das jeweilige biologische System. Die Pole Plus und Minus dürfen nicht verwechselt werden. Worüber man allerdings keine Kontrolle hat.
Genaugenommen interessieren uns solche Prophezeihungen eigentlich nicht, wir bleiben im Hier und Jetzt und wünschen uns, Sie können mit unserer Arbeit etwas anfangen.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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