Liebe Leserin, lieber Leser,

Titel: Friedrich Rückert (1788 – 1866)

Titel: Friedrich Rückert (1788 – 1866)

in der Fülle des Angebotes kann man schon mal den einen oder anderen vergessen. Luther eher weniger; für Goethe und Schiller ist der Umstand, daß jeder ihre Namen kennt, vermutlich sogar schlimmer als Vergessen; Jean Paul hingegen hat 2013 eine Renaissance erlebt, und Friedrich Rückert dürfte, um es etwas salopp auszudrücken, von seinem 150. Todestag in diesem Jahr ebenfalls pro tieren. Zweifellos haben Jubiläen etwas Gutes. Große Geister, Dichter, Denker, Künstler, Musiker rücken ins Zentrum des Interesses. Und von Zeit zu Zeit, wenn sich die Jubiläen, die Geburtstage, Todestage überschlagen, entsteht sogar der Eindruck, Kultur, unsere Kultur, bestünde vor allem aus solchen, gelegentlich versiert moderierten, virtuellen Hinterlassenschaften. Das wäre in Ordnung, wenn sich auch jene, die unsere Kultur vor fremden Einflüssen meinen schützen zu müssen, eingehender mit ihren vorbildlichen Repräsentanten auseinandersetzten. Das ist jedoch ein anderes Thema.
Bedenklicher ist, wenn unser aller Blick in die als gelungen geglaubte Vergangenheit den in die Zukunft verdrängt oder geradezu aufzehrt. Wenn der Blick in die Zukunft ein ängstlicher, panischer ist und deshalb keinerlei Veränderung zugelassen werden soll. Wenn die schöne Erinnerung zum Bollwerk vor der Zukunft wird, hinter dem man sich verschanzt, als könnte man sie tatsächlich aufhalten. Nur gerade jetzt aber bräuchten wir Visionen, Entwürfe, Ideen, wie wir die Herausforderungen für Europa und eigentlich die ganze Welt mit Vernunft, Augenmaß, Menschlichkeit bewältigen, überhaupt die Zukunft gestalten können. Nein! Stimmt nicht ganz! Nicht gerade jetzt … wir brauchen immer solche Visionen. Es können jedoch keine Visionen nur für uns sein. Das wäre einerseits unmoralisch, und es wäre dumm. Wir sind nämlich in der Minderheit. Das erklärt zwar vielleicht die Wut, den Haß, mit dem viele gegenwärtig durchs Leben gehen und andere niederbrüllen. Nur, was soll man sagen: Sie werden verlieren, vielleicht nicht gleich, aber sie werden verlieren. Das war in der Geschichte schon immerso. Das lernt man übrigens bei den vielen Gedenkveranstaltungen.
Und noch etwas: Das Franken-Magazin ist keine politische Zeitschrift und wird auch keine. Nur ab und an läßt es sich nicht vermeiden, Stellung zu beziehen. Wir wünschen Ihnen natürlich, daß Sie unsere neue Ausgabe mit Gewinn und Freude lesen können.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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