Liebe Leserin, lieber Leser,

Bildschirmfoto 2015-11-24 um 08.27.46zuviel Idylle macht dumm. So froh man also sein kann, in Franken zu leben, man muß trotzdem schauen, was in der Welt passiert. Es muß ja nicht gerade vor dem Schlafengehen sein. Für so manche Nachricht braucht es nämlich starke Nerven. Beispiel: Artensterben. Forscher berichten jetzt, daß in den vergangenen 100 Jahren 100mal mehr Arten ausgestorben sind als von der Wissenschaft erwartet wurde. Sie sprechen von einem neuen (dem sechsten) Massensterben auf der Erde – wie zuletzt bei den Dinosauriern –, das begonnen habe, mit möglicherweise dramatischen Folgen für die Menschen. Ohne einen Zusammenhang konstruieren zu wollen: Beängstigend ist auch, daß zur Zeit von den schätzungsweise rund 150 Indianervölkern im Amazonas-Gebiet, die noch nie Kontakt zur Zivilisation hatten, immer mehr den Dschungel verlassen und in Siedlungen um Nahrung bitten. Was für diese Menschen fast so gefährlich ist wie der Hunger. Inzwischen verlangen amerikanische Ethnologen von der brasilianischen Regierung sogar schon, diese Völker ausfindig zu machen, um sie mit moderner Medizin und staatlichen Hilfsprogrammen zu retten. Ge-
naugenommen geht es auch hier um eine Flüchtlingsproblematik. Die Indios gehören dann wohl zu den über 60 Millionen Menschen, die gegenwärtig auf der Flucht sind, weil sie aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Heimat nicht mehr leben können.
Und als wäre all das nicht schon schlimm genug, muß man feststellen, daß weltweit mahnende, kritische Stimmen zu den verschiedenen Themen von der Lebensmittelverschwendung über Gentechnik und was immer einem einfällt, praktisch nicht mehr gehört wer-
den. Der gesellschaftliche Stellenwert von Intellektuellen tendiert gegen Null, während andererseits irgendwelche Dummheiten über Soziale Medien eine geradezu irrwitzige Verbreitung erfahren. Ob diese die Welt verändern, darüber wollen wir gar nicht spekulieren. Vielleicht sollten wir alle, bevor die Welt an unserer überbordenden Dummheit zugrundegeht, einfach einmal für längere Zeit den Mund halten.
Schweigen, nachdenken, und nicht zu allem und jedem seinen Senf dazugeben, bloß weil man auch einen Facebook-Account hat. Unsere neue Ausgabe lesen ist sinnvoller.
Ach ja: Unser Titelbild – Sie wissen ja, Bäume haben es uns besonders angetan – entstand übrigens am Ortsausgang von Ebern im Landkreis Haßberge.

Wolf-Dietrich Weißbach & Stefan Kendl
Die Verleger


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