Kartäusernelke – Dianthus carthusianorum: Duftende Blüten gegen Pest und Würmer

Heilkräuter in Franken – in lockerer Folge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit stellen wir außergewöhnliche Pflanzen vor.

nelkeAllein dieses unglaublich intensive Grün verleiht dem Getränk genug Geheimnis, daß man es erkunden möchte. Wenn man dann noch erfährt, daß es das Folgeprodukt des „Elixiers des langen Lebens“ ist – wer würde dann nicht gerne davon kosten! Der „Chartreuse verte“ ist der berühmteste Klosterlikör der Welt. Seine geheimnisvolle Geschichte beginnt im Jahr 1605, als der Adelige Francois Hannibal d’ Estrées den Kartäusermönchen in dem Pariser Vorort Vauvert ein rästelhaftes Manuskript überreicht. Dieses stammte vermutlich von einem kräuterkundigen Alchemisten. Doch die Mönche können mit der komplexen Rezeptur des Wundertonikums vorerst nichts anfangen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhundert knackt ein Apotheker-Bruder im französischen Mutterkloster Grande Chartreuse das verschlüsselte Rezept. 1737 starten die Kartäuser eine Neuauflage des Tonikums mit dem „Élixier Végétal de la Grande Chartreuse“, das in ganz Europa Furore macht. Allein der Alkoholgehalt von 69 Prozent beeindruckt, nicht minder die Zahl der enthaltenen Heilkräuter. 130 sollen es sein, doch welche, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Es könnte gut sein, daß auch die Kartäusernelke Teil dieser heilsamen und köstlichen Symphonie ist. Die Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse gehört seit dem 16. Jahrhundert zur Standardausstattung der Gärten der Kartausen, was schon ihr Name verrät. Ihre Heilwirkung und das enthaltene Euganol, das auch das Aroma der Gewürznelken ausmacht, würden es als Zutat prädestinieren. Belegt ist ein anderer Einsatz durch die Schweigemönche. Sie verwendeten den seifigen Saft der saponinhaltigen Pflanze für Einreibungen bei Rheuma und Muskelschmerzen. Die Standardwerke der Klostermedizin lassen die Kartäusernelke eher links liegen, erst Leonhard Fuchs Leonhart empfiehlt sie 1543 in seinem Kräuterbuch gegen Pest, Würmer, Krebs und Schlangenbisse. Die Volksmedizin hat diese Indikationen und die Einsatzgebiete der Kartäusermönche – Hautkrankheiten, Rheuma und Muskelschmerzen – übernommen. Dazu kam das Kauen der Blüten gegen Zahnschmerzen, was Sinn macht. Die enthaltene Substanz Eugenol wirkt leicht schmerzstillend, örtlich betäubend und anti-entzündlich.

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