„Ich werde oft an euch denken, Jungs.“

Vor siebzig Jahren, am 30. September/1. Oktober 1946, verkündete das Internationale Militärgericht (IMT) im Schwurgerichtssaal 600 des Justizpalastes Nürnberg die ­Urteile des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Welt­krieges. Den fast ein Jahr dauernden Prozeß beobachten bis zu 240 JournalistInnen und SchriftstellerInnen aus aller Welt. Darunter John Dos Passos, Erika Mann, Willy Brandt, Ilja Ehrenburg oder Erich Kästner, untergebracht im Pressecamp des „Bleistiftschlosses“ der Familie Faber-Castell in Stein. Dort läßt eine neue Installation das Lebensgefühl des außergewöhnlichen Pressecamps „an der Bar“ nacherleben.

In der Ecke des kleinen mit dunkelbraunem Holz vertäfelten Raumes im Erdgeschoß ist eine halbrunde Bar die zentrale Station der Installation im Graf von Faber-Castell’schen Schloß in Stein. Ausgedacht hat sie sich der Fürther Medienkünstler Christian Oberlander, der das Originalmobiliar dafür nutzte. Im Barschrank stehen volle Whiskyflaschen einträchtig neben Wodka und leeren Pepsicolaflaschen. Man hört Radiobeiträge englischer, russischer, französischer, spanischer und chinesischer Radiostationen über den Prozeß, Swingmusik, einen Frauenchor deutscher Kellnerinnen, die amerikanische Lieder singen. In der anderen Ecke des Raumes steht eine kleine amerikanische Reiseschreibmaschine „Remington Portable“. Denn hier im Steiner Schloß lebten und arbeiteten vor siebzig Jahren etwa 100 Reporter­Innen, darunter auch manch junge Nachwuchsjournalisten. Die UdSSR, USA und andere Länder schickten auch ihre besten SchriftstellerInnen dorthin. Sie alle schrieben buchstäblich Geschichte. Bis zu 240 Plätze wurden im Gerichtssaal für MedienvertreterInnen reserviert, allerdings nur mit ausländischem Paß.

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