Giganten in Schweinsleder

Wer 67 Kilo schwere Bücher mit Inhalt füllen will, braucht unter beinahe jedem Blickwinkel eine dicke Haut.

WHöfling038„Lassen Sie nur mich, ich bin‘s gewohnt“, sagt Walter Höfling, als das Monster ins rechte Licht gerückt werden soll. Gewöhnlich bewegt es der 67jährige mittels Sackkarre. Aber auf der Tischplatte braucht es doch vereinte Kräfte. Ein gewichtiges Werk: 67 Kilo schweißtreibende Lektüre. „Burgen und Schlösser, Kirchen und Klöster in Bayern“ verkünden tief ins rote Schweinsleder geprägte Lettern. Obenauf ein handtuchgroßes Lichtbild von König Ludwigs Neuschwanstein. Drinnen gibt es zwar viele bunte Aufnahmen die Machart aber wirkt antik. 550 Jahre, nachdem Gutenberg den Buchdruck erfand, da schreibt einer im unterfränkischen Bad Bocklet seine Bücher wie ein mittelalterlicher Mönch: mit Feder und von Hand!
Jedes Wort mit der Feder getuscht, jede Zeile mit Bleistift liniert und jedes der zahllosen Lichtbilder selbst geschossen und eingeklebt. Das Mammutwerk, unter dem der Wohnzimmertisch ächzt, hat nicht nur ein titanisches Gewicht, sondern ist überhaupt ein Unikum. „Mein Berufsschullehrer hat mir immer geraten, aus meiner Schrift was zu machen.“ Wenn er fabuliert, malen, dirigieren und tranchieren Walter Höflings Hände die Luft. Stundenlang wuselt der ehemalige Arbeiter von seiner Couch, schleppt schwere Bücher an, nippt an scheinbar unerschöpflichen Mengen von Kaffee. Die Brauen über den dicken Brillengläsern führen ein temperamentvolles Eigenleben, der Mund spricht,
lacht, kurz: Hier plaudert einer, der die Welt kennt. Denn er hat sie zum Inhalt seiner Bücher gemacht. Die Dame in „seinem“ Schweinfurter Reisebüro, gibt er zu, sei manchmal zu bedauern, wenn er einmal jährlich kommt, um die Tour zu planen. „Dann sag ich: ‘Ich geh’ nicht eher hier raus, bis wir was Passendes für mich haben’.“ Höfling löffelt nicht jede Fernreise-Suppe aus, die ihm ein Reiseveranstalter einbrocken will.

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