„Es gibt schon genug komische Heilige!“

Sein Name ist Programm: Der Bildhauer Hanspeter Widrig aus Stein bei Fürth ist unbequem. Er widersetzte sich in seiner Jugend den Plänen der Nordostschweizerischen Kraftwerke. Ein Atomkraftwerk in seiner Heimat St. Gallen zu errichten, er widersteht der Versuchung, sich selbst künst- lerisch einzuordnen. Er macht für einen privaten Auftrag- geber aber auch schon mal das fast Unmögliche möglich und erstellt in persönlicher Rekordzeit eine Bronzeplastik des heiligen St. Georg. Auf seine Weise natürlich.

Bronzeplastik des heiligen St. Georg von Hanspeter Widrig. Die Arbeit steht in der Ortsmitte von Hohengüßbach bei Coburg.

Bronzeplastik des heiligen St. Georg von Hanspeter Widrig. Die Arbeit steht in der Ortsmitte von Hohengüßbach bei Coburg.

Der Hausherr empfängt mich nicht in einer Werkstatt mit Steinquadern und Drahtgestellen, sondern führt mich in sein Kunstzimmer. In dem hellen Raum mit Gartenblick dominieren Bücherregale und Kunstobjekte. Darunter Plastiken von Pferden, Katzen, eine Tafel mit einem Hasen. Also sind es hauptsächlich Tiere, die er darstellt? „Nein, ich lasse mich nicht einordnen, das wird zwar schwieriger, aber sonst ist das Leben langweilig!“ antwortet Hanspeter Widrig auf meine erste Einschätzung.
Der erste Eindruck täuscht bei diesem Gespräch noch öfter. Geboren ist er 1945 im schweizerischen Ort Küßnacht. Doch mir steht ein schlanker, kernig wirkender Mann gegenüber. Daß er auf die Siebzig zugeht, mag man nicht glauben.
Der Auftrag, eine Bronzeplastik des heiligen Sankt Georg anzufertigen, kam auf Umwegen zu ihm. Der Bauunternehmer Georg Pfister aus Breitengüßbach wünschte sich eine Plastik zum Geburtstag. Zuerst hatte er mit einer Figur ähnlich dem Bamberger Reiter geliebäugelt, kam aber bald auf den heiligen St. Georg, der u.a. Patron von Bamberg, aber auch von Nürnbergs Partnerstadt Prag, Nowgorod oder dem englischen Königreich ist. Pfister sah sich u.a. in der Nürnberger Bronzegießerei Burgschmiet um; dort brachte man ihn auf Hanspeter Widrig, weil der Bildhauer schon öfter mit der Gießerei zusammengearbeitet hatte.

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