Ein Stück vom Herzen

Seit über zehn Jahren sorgen die „Lachtränen“, eine Gruppe ehrenamtlicher Klinikclowns, in Kinderstationen unterfränkischer Krankenhäuser für Ablenkung und Spaß. Wir haben Schlawine und Machnix bei ihrem Besuch im Leopoldina in Schweinfurt begleitet.

Der ernste, chemische Geruch weckt unangenehme Erwartungen. Oder Erinnerungen. Je nachdem. Weit dehnt sich der Flur bis zur blendenden Klippe eines deckenhohen, bodenlangen Fensters. Über dessen Rand hinab kippt er ins Unsichtbare. Ihm entgegen fließt in milchigem Rinnsal die Reflexion des Regenvormittags in die reglose, steril gleitende Linoleum-Lache. An Wänden ein, zwei Farbtupfer – Fotos mit freundlich lächelnden Schwestern an einer Pinwand. Stille pendelt von der Decke. Nach einem ebenso geheimen wie präzisen Metrum ticken ab und an geschäftige Schritte über diesen Flur, wechseln verhaltene Stimmen tonlose Mitteilungen. Denkt man sich all diese Eindrücke weg, würde trotzdem die Unsichtbarkeit von Ausgelassenheit, Lachen, Johlen, Toben erkennen lassen, wo wir sind: im Krankenhaus. Ein Ort, dessen Pulsschlag überall auf der Welt im Takt der Sachlichkeit klopft. Und obwohl wir uns in der ansonsten sehr freundlichen Kinderstation des Leopoldina-Krankenhauses in Schweinfurt befinden, ist solche Sachlichkeit keineswegs Absicht oder nur durch beiläufiges Versäumnis verursacht. Sie ist unvermeidbar. Denn die Kinder, die hinter den Zimmertüren auf ihren Betten liegen, haben – wer könnte es ihnen verdenken – wenig Lust zum Lachen, Johlen, Toben. Wie soll das auch gehen, ohne die Freunde von zu Hause! Und wie soll man das machen, wenn man immer so einen sperrigen Infusionskran hinter sich herziehen muß! Also liegen hinter den Türen dieses Flures die Kinder auf ihren Betten. Ernste Mütter versuchen neben diesen Betten zu lächeln. Hände schweigen ineinander. Papas sind auf Arbeit. Es ist eben Vormittag. Ein verwegener Gedanke – sind das für einen Clown nicht die idealsten Bedingungen, die sich denken lassen? Da mögen sich Schwestern, Pfleger, Ärzte, Eltern noch so Mühe geben – so eine Kinderstation saugt einen Clownsauftritt so gierig in sich auf wie ein Schwamm in der Sahara den ersehnten Regen.

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