Ein früher Europäer

Die erste gemeinsame Landesausstellung von Bayern und der Tschechischen Republik widmet sich Karl IV. Der Mittelalter-Kaiser wurde vor genau 700 Jahren geboren. Deshalb sind ab Mitte Oktober etwa 170 Exponate rund um den Herrscher in Nürnberg zu bewundern.

karl-ivWarum die gebratenen Schweinsrippchen ausgerechnet den Namen „Karl IV.“ tragen, bleibt ein Geheimnis des böhmischen Lokals „Zlatý Klas“ (Goldene Ähre) im fünften Prager Stadtbezirk. Daß sie gerne bestellt werden, wie Kellner Honza versichert, könnte aber durchaus mit dem markantesten Herrscher des Spätmittelalters zu tun haben.
Denn für Prager, ja für Tschechen generell, ist Karl IV. die wichtigste Persönlichkeit in ihrer Geschichte. Dies ergab eine große TV-Umfrage vor ein paar Jahren. Zuweilen wird er dort gar als „Vater des Vaterlands“ bezeichnet. Deshalb erinnert noch bis 25. September eine große Ausstellung in der Wallenstein-Reithalle auf der Prager Burg an den runden Geburtstag des Regenten, der 1316 geboren wurde und 1378 starb.
Ab 20. Oktober zieht Bayern nach. Eine Premiere: Erstmals veranstalten der Freistaat und die Tschechische Republik gemeinsam eine Landesausstellung. Sie steht unter der Schirmherrschaft der beiden Mini­sterpräsidenten und dauert in Nürnberg bis 5. März 2017.
Wobei der Hinweis auf ein gemeinsames Projekt irreführend ist. Nur etwa 80 Prozent der Ausstellungsstücke von Prag sind auch im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu bewundern. Dies bedeutet wiederum, daß die Nürnberger Schau auch für jene sehenswert ist, die vorher schon die Ausstellung in der tschechischen Metropole besucht haben. Für die teilweise unterschiedlichen Ausstellungsstücke gibt es mehrere Gründe. Ausstellungsmacher erhalten ihre Leihgaben oft nur für eine beschränkte Zeit, wie Dr. René Küpper vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg erläutert. Und im Fall von Karl IV. zudem lediglich für einen der beiden Schauplätze. Vor allem Handschriften und Urkunden sind daher in Prag und Nürnberg nicht immer identisch. So ist im Germanischen Museum zum Beispiel eine andere Architekturzeichnung des Veitsdomes aus der Parler-Werkstatt zu sehen als in der tschechischen Hauptstadt.

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