Ehrliche Rothaut

Michel02

Willy Michl bei seinem Auftritt in der Würzburger Musikkneipe Omnibus.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz – und erst recht keine grippalen Infekte. Und so ließ sich der selbsternannte Isar-Indianer Willy Michl bei seinen beiden vorläufig letzten Konzerten in der Würzburger Musikkneipe Omnibus eine ziemlich üble Erkältung kaum anmerken. Stattdessen heizte er im Musikkeller gleich zu Beginn mit einer Zehn-Minuten-Version seines hymnischen „Isarflimmern“, dem unverwüstlichen „Johnny B. Goode“ und dem Lied von den tollkühnen Männern, die in ihrem Bob unterwegs sind, die Stimmung mit einem nicht minder atemberaubenden Tempo auf. Keine Frage: Der Altmeister im stilechten Indianer-Outfit mit den Adlerfedern im Haar hat noch alles drauf, vom Rock’n Roll über Reggae bis zum Blues. Und auch sonst bewies Willy Michl einmal mehr, daß er nichts von Schubladen hält, zumindest nichts von jenen, in die man andere Musiker sonst gern wegsteckt. Spontan und vor allem traumwandlerisch sicher wechselt er Rhythmen und Melodien, spricht seine Zuhörer mal auf Deutsch, dann auf Englisch und gern auf Indianisch an, trifft gelegentlich nicht den richtigen Ton und findet trotzdem so schnell wieder zum perfekten Gitarrenspiel zurück, als sei nichts gewesen. Willy Michl ist ein Gesamtkunstwerk, das sich in den vielen Jahren „auf der Straße des Rock’n Roll“ selbst treu geblieben ist und sich dennoch bei jedem Konzertabend neu erfindet. Neben seinen frühen Erfolgen, die er noch in „Schwabing auf dem Boulevard“ feierte, gab es im Omnibus auch relativ Neues zu hören über den „Indian Summer“ zum Beispiel oder den „Munich City Blues“ und etliche andere Songs, die nicht auf CD veröffentlicht sind und die man nur live hören kann. Am Ende konnte der Sänger nicht genug von seinem Publikum kriegen. Jedenfalls intonierte er ausgiebig den alten Rolling Stones-Evergreen „Satisfaction“ und bedankte sich überaus artig für die Aufmerksamkeit, die Liebe und den Respekt, die er gespürt habe. Aber im Gegensatz zu den schon etwas älteren Herren aus England klang Willy Michl durchaus so, als fühle er sich noch recht wohl auf der „Strafle des Rock’n Roll“. Und um seiner Botschaft, die er überaus glaubwürdig vertritt, wenigstens etwas gerecht zu werden, spielt es für uns keine Rolle, daß er kein Franke ist; er ist einfach eine ehrliche Haut.   ■

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